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Die Grabung in Hattenhofen

Der Ort der Ausgrabung

In der Zeit vom 25.9.1995 bis 6.10.1995 fanden im Haspelmoos bei Hattenhofen Ausgrabungen auf einem mittelsteinzeitlichen Fundplatz statt. Insgesamt waren sieben Fachstudenten und fünfzehn ehrenamtliche Mitarbeiter des Arbeitskreises Vor- und Frühgeschichte im Historischen Vereins Fürstenfeldbruck an den Grabungen beteiligt. Der Fundplatz wurde vor etwa einem Jahr von Toni Drexler aus Hörbach entdeckt und in der Folgezeit immer wieder abgesucht. Auf seine Initiative hin wurde die Ausgrabung organisiert und in die Wege geleitet, der Vorsitzende des Arbeitskreises, Rolf Marquardt, besorgte das Geld.

Bei der Fundstelle Hattenhofen 1 handelt es sich um ein Lager aus der Mittleren Steinzeit (Mesolithikum). Die Menschen dieser Zeit ernährten sich von der Jagd und vom Sammeln von Früchten. Der Fundplatz lag an einer kleinen Bucht eines einstigen "Haspelsees", etwa 30m vom ehemaligen Ufer entfernt auf einer flachen Kuppe, die sich noch heute auf den Feldern abzeichnet. Das Lager war sicherlich ein Wohnplatz, der im Laufe einiger Jahrhunderte immer wieder aufgesucht wurde.

Die gefundenen Steinwerkzeuge belegen, dass sämtliche Arbeiten, die im täglichen Leben anfielen, durchgeführt wurden. Kleine Kratzer zeigen, dass Fell bearbeitet wurde, Stichel deuten auf eine Knochen- oder Holzbearbeitung hin. Kleine dreieckig zugerichtete Steinwerkzeuge (Mikrolithen) wurden an Holz oder Knochen befestigt als Pfeilspitzen, Speerspitzen oder Harpunen. Diese Geräte sind für Archäologen besonders wichtig, da ihre Form im Laufe der Zeit stark variiert was uns so die Möglichkeit gibt, im Vergleich mit Jagdplätzen anderer Regionen ein Alter für die Station Hattenhofen anzugeben. Ein Alter zwischen 8500 und 9000 Jahren vor heute kann als vorläufiges Ergebnis angegeben werden.

Die Steinwerkzeuge wurden an Ort und Stelle hergestellt. Insgesamt etwa 2000 Steinsplitter aus der Aufsammlung T. Drexlers und der Ausgrabung zeigen, wie intensiv hier gearbeitet wurde. Das verwendete Rohmaterial stammt aus der näheren Umgebung von den Moränen oder aus Bachschottern. Zum größten handelt es sich um verkieseltes Felsgestein und Radiolarithe, beides Gesteine, die während der Eiszeit mit den Gletschern hierher verfrachtet wurden. Einige wenige Werkzeuge jedoch sind aus Gesteinen hergestellt, die nur durch den Menschen hierhergebracht werden konnten. So fanden sich Feuersteine aus dem Raume Neuburg/Donau, Kehlheim und von der schwäbischen Alb. Eine weitere Feuersteinvariante ist bislang in Süddeutschland nicht bekannt. Das nächste bekannte Vorkommen liegt in Oberitalien.

Bislang galt unter Archäologen der oberbayrische/schwäbische Raum südlich der Donau bis auf einige Ausnahmen im Allgäu als ein in der Mittleren Steinzeit unbesiedelter Raum. Der Fundplatz Hattenhofen zeigt uns jedoch, dass dieser Raum nicht nur zufällig, sondern gezielt und intensiv genutzt wurde. Dies lässt uns hoffen, dass in Zukunft noch weitere Stationen gerade im Haspelmoos gefunden werden.

Autor: Dr.Ingo Campen, Uni Tübingen

Die Ausgrabung

Arbeit an der Ausgrabung



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