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Bericht der Archäologen

Kurzbericht zur Sondagegrabung auf dem Schlossberg bei Schöngeising, Lkr. Fürstenfeldbruck, im Oktober 2002

Das Plateau des Schlossberges liegt unmittelbar südlich der Amper zwischen den Ortschaften Schöngeising und Wildenroth im Landkreis Fürstenfeldbruck. Die weitgehend ebene Hochfläche des Schlossberges wird im Nordwesten (zur Amper hin) und im Osten durch steil abfallende Hänge natürlich geschützt. Nach Südwesten wird der Sporn durch einen Abschnittswall mit mehreren Gräben und Wällen (wohl demnächst anstehende Neubestockung in ihrer Eigenschaft als Bodendenkmäler akut bedroht sind, konnten zumindest in diesem Jahr noch nicht zur Erteilung einer Grabungserlaubnis bewegt werden.

Die beiden Sondageflächen wurden an den äußersten nördlichen Rand der Sunderburgfläche platziert, nur jeweils wenige Meter vom Steilabfall zur Amper entfernt. Schnitt A umfasst eine Fläche von 2 x 4 m und ist relativ exakt Nord-Süd orientiert. Wenige Meter westlich gelegen befindet sich Schnitt B mit 2 x 2 m Ausdehnung und etwa Nordwest-Südost-Orientierung. Die beiden Schnitte wurden möglichst weit entfernt von allen erkennbaren mittelalterlichen/neuzeitlichen Strukturen und in möglichst unbewegtem Gelände (zumindest soweit oberflächlich erkennbar) angelegt, d.h. es wurde vermieden erkennbare Wälle, Senken, Mulden, Hügelchen etc. in die Schnitte einzuschließen.

Natürlich musste bei der Auswahl der Grabungsflächen auch dem dichten rezenten Baumbestand Rechnung getragen werden.Eine Einmessung der Schnittecken konnte leider nicht tachymetrisch und mit Gauß-Krüger-Koordinaten erfolgen, da sich im Wald keinerlei entsprechende trigonometrischen Punkte fanden bzw. Kirchturmspitzen o.ä. aus dem Wald heraus nicht anzupeilen waren.
Die 1956 durch das Landesamt für Denkmalpflege erfolgte Topographische Aufnahme des Schlossberges (W. Holzner, A. Weihrauch) basiert offensichtlich auf einem lokalen System, deren Fest- bzw. Bezugspunkte heute, fast 50 Jahre später, nicht mehr auffindbar sind. So konnte die Lage der beiden Sondageschnitte lediglich in diesen Plan hinein skizziert werden. In den nächsten Tagen soll wenigstens noch eine etwaige Lagebestimmung der Sondageflächen durch GPS erfolgen.
Außerdem werden beim Verfüllen der beiden Schnitte durch den Arbeitskreis für Vor- und Frühgeschichte in die acht Ecken große Zimmermanns-nägel gesetzt.Als Höhenpunkt musste aus o.g. Gründen willkürlich ein Punkt gewählt werden, der als âHöhenpunkt 1â bezeichnet und mit dem Wert 100,00 m versehen wurde und als Grundlage für die diesjährige Kampagne diente. Es handelte sich hierbei um eine unmittelbar südlich von Fläche A gelegene Wurzel, in die ein Zimmermannsnagel tief eingeschlagen wurde.

Zur grabungstechnischen Vorgehensweise:In den Schnitten wurden flächig Schichten abgetragen, deren Mächtigkeit durchaus unterschiedlich ausfallen konnte und von den jeweiligen archäologischen Notwendigkeiten bestimmt wurde.
Nach jedem Schichtabtrag erfolgte die zeichnerische (in der Regel M. 1:20), photographische und vermessungstechnische Dokumentation des Planums sowie eine Beschreibung der Befunde. Die Befunde wurden teilweise separat geschnitten und dokumentiert. Sämtliche aussagekräftigen Profile wurden gezeichnet (M. 1:20) und photographiert. Die Funde wurden nach Schichten und Befunden getrennt vertütet, hierbei wiederum jeweils getrennt nach den großen Materialgruppen (Keramik, Ziegel, Einzelfunde [z.B. Metalle], Glas, Knochen etc.).

Einzelfunde wurden - wenn möglich - dreidimensional eingemessen. Aus Obj. 2 wurden zudem Bodenproben für eine potentielle spätere archäobotanische Untersuchung entnommen. Beide Schnitte wurden in allen Bereichen (Ausnahme: Obj. 3, s.u.) bis zum anstehenden Kiesschotterboden abgetieft.
Ein wohl mittelalterlich/neuzeitlicher Baurest (Mörtel, Ziegel; Obj. 3), im südwestlichsten Eck der Fläche A gelegen, wurde lediglich dokumentiert, nicht aber weiter untersucht, um ihn vor der Zerstörung zu bewahren, zumal die Befunde dieser Zeitstellung auch nicht das Hauptziel der Sondagegrabung waren.

Zu den Befunden:Nach dem Abtragen der ca. 10-20 cm dicken Humusauflage (Schicht 1) folgte in Fläche A eine ca. 20 cm mächtige schwarzbraun-humose Kulturschicht, in der zahlreiche Funde zu Tage traten (v.a. Ziegel, vorgeschichtliche und mittelalterliche Keramik, Knochen, ab Schicht 3 auch einige wenige Stücke Glasschmelze). Noch innerhalb dieser Kulturschicht zeichnete sich in der Südwestecke der Fläche eine Konzentration von Steinen, Mörtelbrocken und Ziegeln ab (Obj. 3).
Der wohl mittelalterliche oder frühneuzeitliche Baubefund (Mauerausbruchgrube?) wurde in diesem Zustand dokumentiert und nicht weiter abgetragen, um ihn für etwaige spätere Ausgrabungen in diesem Bereich zu bewahren.Erst mit Anlage von Planum 3 ca. 20-30 cm unterhalb des Oberflächenniveaus zeichneten sich weitere Befunde ab. Neben mehreren Pfostenlöchern oder zum Teil wohl lediglich durch ehemals vorhandene Bäume verursachten Verfärbungen, scheint für Fläche A besonders Obj. 2 an dieser Stelle erwähnenswert. Es handelt sich hierbei um eine vom heutigen Oberflächenniveau gemessen ca. 1,20 m tiefe größere Grube, die in der Südostecke der Fläche angeschnitten wurde. Ihr gesamter Umfang war nicht zu rekonstruieren, eine Erweiterung des Schnittes zur Klärung dieser Frage war v.a. aufgrund des schlechten Wetters gegen Ende der Grabung nicht mehr durchführbar.

Die zunächst schwarzbraun-humos verfüllte Grube, die in den beiden Plana 3 und 4 annähernd ihre Form und Größe behielt, teilte sich in Planum 5 (ca. 60 cm unter heutigem Oberflächenniveau) in offenbar zwei Befunde. Die größere Verfärbung behielt im Folgenden die Bezeichnung Obj. 2, der kleinere, fast schwarze, halbrunde Befund (Pfostenloch?), der in das Südprofil hineinreichte, wurde im weiteren Vorgehen unter der Bezeichnung Obj. 13 gesondert bearbeitet. Erst im Ost- bzw. im Südprofil ließ sich dann mehr oder weniger deutlich der weiterhin bestehende Zusammenhang zwischen den beiden Befunden erkennen, die nach wie vor die wohl bronzezeitliche Grube bildeten, wobei die Verfüllung zwischen den beiden Objekten aus einem wesentlich helleren, d.h. mittelbraunen, sandig-lehmigen Material mit sehr hohem Kiesanteil bestand, der stellenweise (und v.a. im Planum) nur schwer vom anstehenden, sandigen Kiesschotter zu unterscheiden war, in den die Grube eingetieft war.Eine weitere, annähernd quadratische Grube in Fläche A (Obj. 12) mit schwarzbraun-humoser Verfüllung, die sich erst in Planum 4 (ca. 30 cm unterhalb der Oberfläche) unmittelbar nördlich an Obj. 2 anschließend abzeichnete, löste sich nach weiteren 35 cm in ein kleines, schwärzliches und humos verfülltes Pfostenloch auf. Das genaue Verhältnis zwischen den beiden Gruben, die sich noch in Planum 4 nicht eindeutig voneinander trennen ließen, konnte leider auch durch das Ostprofil nicht eindeutig geklärt werden.

In Fläche B konnte â ebenfalls nach Abtragen einer ca. 10 cm mächtigen Humus- und einer ca. 10-15 cm starken ersten schwarzbraun-humosen Kulturschicht mit zahlreichen Funden von Ziegeln, Keramik, Knochen und auch einigen Glasfragmenten sowie Eisennägeln â neben einigen mehr oder weniger deutlichen Pfostenlöchern bereits in Planum 2 eine dunkle Verfärbung in der Südecke dokumentiert werden (Obj. 1). Diese zeichnete sich im Verlauf der Ausgrabungen recht deutlich ab. Es handelt sich um eine Grube von ca. 70 cm Tiefe (von der heutigen Oberfläche gemessen), deren Ausmaße ebenfalls nicht bestimmt werden konnten, da sie durch Fläche B nur angeschnitten wurde. V.a. in den oberen Schichten des wohl mittelalterlichen Befundes fanden sich vermehrt Fragmente von Dachziegeln sowie auch mittelalterlicher Keramik (wohl des 9.-13. Jahrhunderts nach erster Begutachtung).

Zu den Funden:Die auffälligsten Funde der Sondagegrabung sind ohne Zweifel mehrere Bronzefunde, bei denen es sich um eine völlig intakte Pinzette, eine bolzenartige Pfeilspitze (beide wohl Obj. 2 zuzurechnen), eine Messerspitze (Obj. 1) sowie ein Halbfabrikat handelt. Ansonsten dominieren Keramikscherben bronze- und urnenfelderzeitlicher Zeitstellung das Fundspektrum.
Erheblich geringer (soweit dies vor dem Waschen der Funde überhaupt beurteilt werden kann) scheint der Anteil an mittelalterlicher/neuzeitlicher Keramik, wie auch diesen Epochen zuweisbare Einzelfunde wie Glasscherben und Eisenfunde nur äußerst spärlich vertreten sind.
Bemerkenswert sind allerdings mehrere Bröckchen von Glasschmelze, die offensichtlich an Ofenwandungen o.ä. haften. Ansonsten traten zumindest große Mengen an Ziegeln auf, die wohl mit dem Jagdhaus des 16. Jahrhunderts in Verbindung gebracht werden können, wie vermutlich auch die Mörtelreste aus Fläche A.
Knochen kamen in einiger Zahl zutage, doch stellt sich hier häufig die Frage nach der exakten Datierbarkeit des Materials.

Die gesamte Dokumentation (Grabungstagebuch, Planums- und Profilzeichnungen, Fundzetteldoubletten, Photos) sowie sämtliche Funde verbleiben wie vereinbart beim Arbeitskreis für Vor- und Frühgeschichte im Historischen Verein Fürstenfeldbruck, vertreten durch den Vorsitzenden des Arbeitskreises, Herrn Rolf Marquardt, Fürstenfeldbruck.

München, den 19.10.2002
(Sabine Früchtl M.A., München)
(Dr. Michael Schefzik, München/Wiesbaden)

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