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Bericht über die Grabung auf der Sunderburg, September 2007

Bilder zu dieser Grabung finden Sie im Grabungstgebuch

Während der ersten beiden Wochen im September führte der Arbeitskreis die mittlerweile fünfte Grabungskampagne auf der bronzezeitlichen Höhensiedlung am Schlossberg, genannt 'Sunderburg' bei Schöngeising durch. Der im Jahr 2006 geöffnete Schnitt durch das Wall- und Grabensystem wurde in diesem Jahr nach beiden Seiten verlängert.

Trotz regnerischem Wetter während der gesamten Kampagne arbeiteten jeden Tag zwischen 10 und 20 freiwillige Grabungshelfer. Am Tag des offenen Denkmals, der am Sonntag den 09.09. von Landrat Thomas Karmasin auf der Sunderburg eröffnet wurde, waren über 250 interessierte Besucher auf der Grabung.

Schnitt 1 schloss nördlich an die alte Fläche an und erstreckte sich von dort insgesamt 14 m in den Innenraum der Siedlung (siehe Abbildung). Ziel war die Auffindung von Bebauungsspuren und Siedlungsbefunden, z.B. Pfostengruben, Abfallgruben, Herdstellen etc. Zunächst wurde nur eine 4 x 6 m große Fläche im Anschluss an den alten Schnitt geöffnet, die jedoch befundleer war und deshalb auf 2 m Breite noch einmal um 8 m nach Norden verlängert wurde. In der Erweiterungsfläche fanden sich schließlich sieben dunkle Verfärbungen mit Durchmessern von 30 - 80 cm, die als Pfostengruben zu interpretieren sind. Eine davon ist möglicherweise der Überrest eines modernen Zaunpfahls, die anderen gehören wohl zur vorgeschichtlichen Bebauung. In den Gruben, aber auch in der umgebenden Lehmschicht wurde eine große Menge kleinteiliger Keramikscherben gefunden, die aber wohl mit dem Verfüllmaterial sekundär verlagert sind und daher die Befunde nicht genau datieren. Eine Zuordnung der Pfostengruben zu einzelnen Gebäuden bzw. eine Aussage zur Nutzung der Gebäude ist bei einer Schnittbreite von 2 m nicht möglich. Die Gruben sind nur etwa 10 - 30 cm tief, so dass an eine künstliche Planierung des Oberbodens gedacht wurde, doch dafür sind in diesem Bereich des Plateaus keine Anzeichen zu erkennen. Möglicherweise waren die Gebäude einfach nicht besonders tief fundamentiert, was bei der Konstruktion eines kleineren Hauses mit gleichzeitig aufgestellten Jochen aus senkrechten Pfosten und Querbalken auch nicht zwingend nötig ist.
Denkbar ist, dass sich an den Wall vor allem niedrige Wirtschaftsgebäude wie Ställe für Kleinvieh, Vorratsspeicher und Werkstätten anschlossen, doch lässt sich dies aus dem Fundgut bisher nicht beweisen.

Sunderburg

Schnitt 2 erstreckte sich von der Krone des äußeren Walls Richtung Süden, im Wallbereich zunächst auf einer Breite von 4 m, um den Wall im Längsschnitt zu dokumentieren. An der Wallkrone war im Vorjahr eine etwa 1,20 m tiefe Grube entdeckt worden, die als Überrest einer nach dem Wallbau eingebrachten hölzernen Wandkonstruktion mit senkrechten Pfosten und darin eingesetzten Querhölzern interpretiert wurde. Ziel der Untersuchung hier war, diese Überlegung zu verifizieren und den Abstand der senkrechten Pfosten zueinander zu ermitteln.

Sunderburg

Südlich davon, im Bereich des äußeren Grabens, wurde eine 1 m breite und 4 m lange Erweiterung entlang der östlichen Schnittkante angelegt, da hier nur die Form und die Tiefe des Grabens ermittelt werden sollte. Die nördliche Teilfläche wurde nach dem Abtiefen noch um 1 m nach Westen verlängert, als außer der bereits im Vorjahr dokumentierten Grube keine weiteren Befunde im Profil zu erkennen waren.
In der Erweiterungsfläche kam schließlich in etwa 3 m Entfernung zu dieser Grube eine zweite, etwas kleinere Grube zum Vorschein. Die relativ große Entfernung zwischen beiden Befunden lässt eine Wandkonstruktion aus Spaltbohlen zwischen aufrechten Pfosten kaum zu, wahrscheinlicher sind auf diese Länge eher eingelegte oder eingezapfte Rundhölzer oder Balken. Diese Konstruktion wurde nachträglich eingebracht, um einerseits den Wall zu stabilisieren, der ständig von Erosion bedroht war, andererseits aber auch, um eine bessere Verteidigungswirkung zu erzielen. Die Tiefe der Pfostengruben würde eine massive Holzwand von 2 m Höhe über dem Wall ermöglichen. Deren optische Wirkung gegenüber einer einfachen Palisade dürfte daneben wohl auch beabsichtigt gewesen sein. Die zeitliche Entfernung der Holzkonstruktion zum Wallbau lässt sich anhand des spärlichen und klein zerscherbten Keramikmaterials leider nicht feststellen.
In der Wallaufschüttung konnten wie im Vorjahr verschiedene Kiesschichten im Profil erkannt werden. Diese stellen aber wohl nur unterschiedliche Ausgangsmaterialien bzw. verschiedene Arbeitsschritte derselben Bauphase dar, d.h. der Wall wurde in einem Zug errichtet, nur die Gruben für die Wandkonstruktion wurden nachträglich eingebracht.
Der Graben ist an der Sohle mit etwa 1 m humosem Material verfüllt. An den Grabenwänden hat sich abgeflossener Lehm vom Wall und vom Gegenhang angelagert. Die Grabensohle ist aber frei von Lehm, und das Profil der humosen Verfüllschicht fällt in der Mitte steil ab, was den Schluss nahe legt, dass der Graben sauber gehalten und regelmäßig ausgeräumt wurde.

Im Innenraum der Siedlung wurde etwa 25 m westlich des modernen Fahrwegs Schnitt 3 angelegt. Die 3 x 3 m große Fläche wurde geöffnet, um die Befunderhaltung zu klären und eventuelle Siedlungsspuren zu dokumentieren. Auf einer Zeichnung des Brucker Heimatforschers F.S. Hartmann aus den 60er oder 70er Jahren des 19. Jahrhunderts ist in diesem Bereich ein Acker eingezeichnet. Dieser konnte durch einen etwa 20 cm starken Humus-Lehm-Mischhorizont nachgewiesen werden, der fast bis zum gewachsenen Boden reicht. Im Ostprofil waren auch mögliche Pflugspuren zu erkennen. Siedlungsbefunde wurden nicht angetroffen; sollten sich dort ursprünglich Pfostengruben befunden haben, wurden sie sicher durch den Pflug zerstört. Neben einigen vorgeschichtlichen Keramikscherben fanden sich zwei moderne Eisenobjekte im Pflughorizont, kurz oberhalb der natürlichen Kiesschicht.
Das Plateau der Sunderburg kann daher in diesem Bereich als gestört gelten. Da die Karte Hartmanns zu ungenau ist, lässt sich die Lage und die Ausdehnung des Ackers nicht genau ermitteln, es scheint aber zumindest die Fläche zwischen Schnitt 3, dem Fahrweg und dem vermutlich mittelalterlichen Wall am Sporn umgeformt und gestört zu sein.

Markus Wild