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Auf den Spuren des Loisachgletschers im Lkr. Fürstenfeldbruck

Der Gletscher drang vor rund 20 000 Jahren tief in unseren Landkreis ein und hat dabei unsere Landschaft geformt. Für die meisten von uns ist das nichts Neues. Doch wer kann schon damit etwas Konkretes verbinden? Wir fahren mit dem Auto über Hügel und auf Ebenen, ohne unsere Gedanken darauf zu richten, dass diese Formen einmal vom Gletscher und seinem Umkreis geprägt wurden.

Im August 1996 flog eine Forschergruppe der TU München nach Sondre Stromfjord in Westgrönland, zum Rand des Inlandeises. Dort vorgefundene Landschaftsformen gleichen teilweise bis in Details den hiesigen.

Der Kies, der heute in den Kiesgruben im Landkreis abgebaut wird, stammt gänzlich aus den Alpen. Er wurde als eckige Felsbrocken jeder Größe mit dem Gletscher ins Alpenvorland gebracht und anschlieáend durch den Transport im Schmelzwasser zugerundet. Anhand der Gerölle kann man heute noch erkennen, aus welcher Region der Alpen das Material stammt. Der hellgraue Wettersteinkalk kommt beispielsweise aus dem Zugspitzmassiv, so wie die meisten Kalkgerölle ihre Heimat in den Kalkalpen hatten. Sandsteingerölle stammen vorwiegend aus den bewaldeten Vorbergen der Murnauer Gegend.

Exotische Gerölle wie der Granatamphibolit aus dem Ötztal und Juliergranit aus dem Schweizer Engadin beweisen, dass sogar Gletschereis aus den Zentralalpen den Weg zu uns fand. Über den heutigen Fernpass in Tirol floss das Eis aus dem zum Überlaufen vollen Inntal in das Loisachtal bei Garmisch. Das Loisachtal bildete die wichtigste Austrittspforte für die Eismassen. Deshalb wird dieser Eisstrang Loisachgletscher genannt. Dieser Gletscher dehnte sich über Staffelsee und Ammersee bis zu seinem Nordende im Ampertal bei Buchenau aus. Die Becken dieser Seen wurden durch die Arbeit des Gletschers ausgeschürft.

Der Loisachgletscher

Die Gegend um Fürstenfeldbruck während der letzten Eiszeit vor 2000 Jahren. Während seiner größten Ausdehnung dringt der Loisachgletscher bis in die Buchenau und Hirschthürl bei Jesenwang vor. Die weiten Kiesebenen (Amper- und Maisachtal) werden mit der Geröllfracht der sommerlichen Schmelzwasser aufgeschüttet. Westlich von Mammendorf wird durch die Geröllfracht der Haspelsee (heute Haspelmoor) aufgestaut.

An seiner Stirn schob der Gletscher wie ein Bulldozer die Moränenwälle auf. Sie haben ein sehr bewegtes Relief mit zahlreichen Kuppen und Kesseln, so dass diese Areale heute vorwiegend als Waldgebiete genutzt werden. In der Natur kann man die Wallmoränen über viele Kilometer hinweg verfolgen. Sie bilden richtige Girlanden, die nur in manchen Talbereichen unterbrochen sind. Dort wurden sie vom Schmelzwasser ausgeräumt. Deshalb kann man für das ganze Alpenvorland die ehemalige Ausdehnung der Gletscher rekonstruieren.

Man kann sogar mehrere Moränengirlanden ineinander geschachtelt finden. Sie zeigen an, dass der Gletscher auf seinem Rückzug mehrmals Halt gemacht hat oder sogar wieder etwas vorgestoßen ist.

An der Basis des Gletschers wird ebenfalls eine Moräne gebildet. Da hier die Feinanteile nicht vom Wasser ausgespült werden, hat die sogenannte Grundmoräne eine sandig-tonige Konsistenz. Wie in einem Rosinenkuchen sind darin Geschiebe jeder Größe eingebettet. Diese Grundmoräne trifft man in Baugruben in der flachwelligen Grundmoränenlandschaft an, wie beispielsweise an der Autobahnbaustelle in Etterschlag.

Die Landschaft im Gletschervorfeld trug eine ähnliche Vegetation wie man sie heute in Grönland vorfindet. Vielleicht war sie sogar etwas üppiger, da unser Gebiet fast 20 Breitengrade weiter im Süden liegt. Nur die Talbereiche, in denen damals das Schmelzwasser floss, waren fast völlig vegetationsfrei.
Diese Schmelzwasserflüsse muss man sich anders vorstellen als z.B. Amper oder Isar. Im Winter, bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt, lag das Flussbett vollkommen trocken. Im Sommerhalbjahr, wenn die Schneeschmelze einsetzte, kamen in kurzer Zeit ungeheuere Wassermassen zum Abfluss. Bei Hochwasser standen kilometerweite Talbereiche unter Wasser. Das Schmelzwasser war mit seiner Schuttfracht so belastet, dass auf breiter Fläche Material abgelagert wurde. Durch das abgelagerte Material verbaute sich der Fluss immer wieder selber seinen Weg und musste sich seitlich einen neuen suchen. So entstanden die breiten Flusstäler, die für die heutigen Flüsse viel zu groß sind.

Die Wasserführung war auch großen täglichen Schwankungen unterworfen. Zur Mittagszeit, wenn die Sonne am höchsten steht, war der Abfluss am größten. In der Nacht und in den frühen Morgenstunden hätten solche Flüsse dann durchaus durchwatet werden können.

Beständig wehende Gletscherfallwinde bliesen Staub und Sand aus den vegetationsfreien Flusstälern aus. Durch die Corioliskraft wurden die Winde nach Osten abgelenkt. Außerhalb der Täler wurden die Winde abgebremst und verloren an Sträuchern und Gräsern ihre Fracht. Die dabei entstandenen Dünenfelder findet man bevorzugt an den Ostseiten der Täler. Dieser kalkhaltige Sand und Staub (Löß) wurde im Laufe von Jahrtausenden durch das Regenwasser und die Huminsäuren der Pflanzen entkalkt. Dadurch entstanden die fruchtbaren Lößlehmböden, die bei Aich und Biburg die besten Ackerböden bilden.

Autor: Roland Kunz



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