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Dem Kaiser ein Denkmal von Stein...

Zur Geschichte der Kaisersäule im Stadtteil Puch

Von Robert Weinzierl

Der eilige Autofahrer auf der Bundesstraße 2 wird hinter der Baumgruppe und den Büschen bei der Abzweigung zum Stadtteil Puch, kaum die alte Kaisersäule und die sie umgebende Anlage wahrnehmen können. Nur Fußgänger und Radfahrer verirren sich zuweilen dorthin. Ihnen und allen interessierten Neu- und Altbürgern unserer Heimatstadt möchte ich nachfolgend die Anfänge dieses patriotischen Monuments aufzeigen.

Der Tod Kaiser Ludwig des Bayern im Jahr 1347 zu Puch

Ludwig war ein Sohn des Klostergründers Herzog Ludwig II, der Strenge genannt. Er stammte aus dessen dritter Ehe mit Mechthild, der Tochter König Rudolfs I. von Habsburg. Da ein aus der zweiten Ehe stammender Sohn mit Namen Ludwig bei einem Turnier tödlich verunglückte, wird Ludwig in der Reihenfolge der bayerischen Herzöge aus dem Hause Wittelsbach als IV. gezählt. Sein Leben war geprägt von heftigen politischen Auseinandersetzungen. Zunächst mit seinem Bruder Rudolf um die Herrschaft im Herzogtum Oberbayern, einschließlich der rheinischen Gebiete und der "oberen Pfalz" auf dem Nordgau. Nach seiner Wahl zum deutschen König mußte er sich mit seinem Gegenkandidaten, dem Habsburger Friedrich dem Schönen und in der Folgezeit während seiner 33jährigen Königsherrschaft mit den drei aufeinanderfolgenden, gegen ihn agierenden Päpsten in Avignon heftig auseinandersetzen. Im letzten Lebensabschnitt traten auch noch die Luxemburger als seine Gegner auf. Heute würden wir sagen, ein streßgeplagtes Politikerleben. So ist es nicht verwunderlich, daß der 65 jährige Kaiser den Streß eines zweistündigen Rittes auf des Pferdes Rücken von München nach Fürstenfeld nicht lange überlebte. Als er sich am 11. Oktober 1347 in das nahe gelegene Puch begab um dort einen Bären zu jagen, fiel er vom Pferd und verstarb. Der Überlieferung nach habe ihn ein beim Pferd stehender Bauer aufgefangen. In dessen Armen seien seine letzten Worte gewesen: "Süzze Künigin, unsere fraue, bis pei meiner schidung" (Süße Königin, unsere Frau, sei bei meinem Hinscheiden). Der Ort an dem das geschah, heißt in der Überlieferung bis heute der "Kaiseranger".

Seinen Leichnam brachte man, nach einer vorübergehenden Aufbahrung im Kloster Fürstenfeld, nach München und bestattet ihn neben seiner ersten Gemahlin Beatrix in der Frauenkirche. Das Herz des Kaisers sei aber in der Gruft seiner Eltern in der Klosterkirche Fürstenfeld verblieben.

Aus dem Stadtarchiv....

Die Idee zum Kaiser - Monument

Zu der Zeit, da Abt und Prior des Klosters Fürstenfeld den Gedanken entwickelten, dem großzügigen Förderer Kaiser Ludwig dem Bayern ein Denkmal zu setzten, waren die wirtschaftliche Situation des Klosters und die dadurch bedingte Stimmung innerhalb der klösterlichen Gemeinschaft einem solchen Vorhaben alles andere als förderlich. Wie es dazu kam sei kurz vorangestellt.

Höhen und Tiefen kennzeichnen das geistige und wirtschaftliche Leben des ehemaligen Zisterzienserklosters Fürstenfeld. Den geistigen und wirtschaftlichen Zenit erreichte es unter der Regierung des Abtes Martin Dallmayer nach dem Ende des dreißigjährigen Krieges. Er war die überragende Gestalt in der langen Liste der Vorsteher dieser klösterlichen Gemeinschaft. Als er nach 50 Jähriger Regierung starb hinterließ er seinen Nachfolgern ein beträchtliches Kloster - Vermögen. Sie investierten das Erbe sofort in den Bau von Klostergebäude und Kirche. Leider verführte der Reichtum des Klosters auch manchen Vorsteher, seine geistige Berufung zu vergessen. Insbesondere Abt Martin II. Hazi (1761 - 1779) aus Kehlheim. Seine rühmenswerte Förderung der wissenschaftlichen Ausbildung junger Ordensbrüder und seine Sorge für die neue Klosterkirche (Apostelfiguren, Statuen Ludwig des Strengen und Kaiser Ludwigs u.a.) ward überschattet von seiner wirtschaftlich sorglosen Lebensfreude. Reise- und Jagdlust, übertriebene Gastfreundschaft und Spielleidenschaft brachten das Kloster an den Rand des Ruins, der nur durch den Entzug jeglicher Verfügungsmacht über das Vermögen des Klosters abgewendet werden konnte. Nach seinem Tod kam Tezelin Katzmair (1779 - 1896) mit 61 Jahren zur Würde des Abtes. Er hatte sich in all seinen bisherigen Klosterämtern einen guten Ruf erworben. Als Klostervorsteher (Abt) verwendete er seine ganze Kraft zur Förderung des geistlichen und sittlichen Wohls der ihm anvertrauten Brüder. Allein die physischen Kräfte des 61Jährigen reichten nicht aus auch noch die wirtschaftliche Führung der Klosterbetriebe kräftig in die Hand zu nehmen. Als Folge stellten sich trotz sparsamer Lebensführung zunehmend Verluste ein. Da er, wohl aus Altersstarrsinn, dem Drängen seiner Klosterbrüder im Jahr 1791 auf Rücktritt nicht nachgab, entzog man auch ihm die wirtschaftliche Führung des Klosters.

Im Jahr 1794, also drei Jahre nach dem Entzug der wirtschaftlichen Verfügungsgewalt im Kloster, genehmigte Abt Tezelin seinem Stellvertreter (Prior) Professer Gerard Führer eine Urlaubsreise zu den Klöstern im Pfaffenwinkel. Dabei fand er überall gastliche Aufnahme, so auch im Kloster Ettal. Bei einem abendlichen Gespräch mit dem dortigen Abt erwähnte Gerard Führer den Wunsch seines Abtes, dem großen Förderer des Klosters Fürstenfeld, Kaiser Ludwig dem Bayern, auf dem überlieferten Platz seines Todes in Puch ein würdiges Denkmal zu setzen. Der Ettaler Abt war davon freudig überrascht, war doch Kaiser Ludwig der Bayer der Stifter seines Klosters. Aus Dankbarkeit diesem gegenüber erklärte er sich spontan bereit aus seinen Steinbrüchen kostenlos den Marmor für das Monument zu stiften und die großen, schweren Stücke an die Loisach bringen zu lassen. Den Taglohn für die Arbeiter im Steinbruch mußte allerdings Fürstenfeld bezahlen. So großzügig sich die Spende anhört, eine Belastung für das Kloster Ettal waren sie nicht, denn dessen Steinbrüche waren ob ihrer Qualität und Ergiebigkeit bekannt.

Als Gerard Führer nach Rückkehr von der Urlaubsreise seinem Abt das Angebot des Ettaler Abtes unterbreitete, war dieser begeistert. Sofort bedankte er sich schriftlich in Ettal für das Angebot und beauftragte seinen Prior Gerard Führer mit der Projektierung zu beginnen. Gipsmüller Lerch in München erhielt den Auftrag zur Anfertigung eines Modells der vorgesehenen Pyramide, die er dem Steinmetz Lindtner in Ettal übermitteln sollte. Hofbildhauer Roman Boos, von dem die Statuen Herzog Ludwig des Strengen und Kaiser Ludwig des Bayern in der Klosterkirche stammen, sollte das Portrait des Kaisers und sein Wappen in die zwei Mittelstücke einhauen. Offensichtlich hatten Abt und Prior von Fürstenfeld das Vorhaben in aller Heimlichkeit betrieben. Denn erst durch die Arbeiten in der Werkstatt des Hofbildhauers Boos wurde es bei Hof und dann in der Öffentlichkeit bekannt. So gelangte die Kunde auch nach Fürstenfeld und erregte die dortigen Mönche auf das äußerste. Waren doch Abt und Prior für dieses kostspielige Vorhaben finanzielle Verbindlichkeiten eingegangen, obwohl dem Abt die wirtschaftliche Verfügungsmacht entzogen war. Der Prior erhielt von den Klosterbrüdern ob seines eigenmächtigen Handelns eine scharfe Rüge und als er sich mit dem Hinweis auf das Dankschreiben des Abtes an den Prälaten von Ettal verteidigen wollte, fielen sie ihm in's Wort und erteilten ihm den strikten Befehl sofort alle Arbeiten einstellen zu lassen. Er war nun in der Zwickmühle. Einerseits mußte er einsehen, daß die Verwalter der klösterlichen Wirtschaft mit ihrem Einspruch im Recht waren, andererseits sah er Spott und Schande für das Kloster Fürstenfeld voraus, wenn dieses vom Hof sehr belobigte und durch den Abt von Ettal so großzügig unterstützte Vorhaben nun eingestellt würde. Dem vorzubeugen, entschloß er sich alle Kosten aus seiner eigenen "Sparbüchse" zu bestreiten. Niemand außer dem zum Freund gewordenen Gipsmüller Lerch erfuhr außerhalb des Klosters etwas von diesem peinlichen Vorfall.

Nach seiner Wahl zum Abt am 18. Juli 1796 veranlaßte Gerard Führer die Fortsetzung der Arbeiten an dem Kaiserdenkmal. Nicht uninteressant sind die bis 1797 hierfür angefallenen Kosten:

Erstellung des Modells durch Gipsmüller Lerch 3 Gulden
Entwurf der Buchstaben für die Inschrift 3 Gulden, 26 Kreuzer
Steinmetzarbeiten im Ettaler Steinbruch 333 Gulden, 36 Kreuzer
Taglohn für die Arbeiter im Steinbruch 114 Gulden, 45 Kreuzer
Transport auf 6 Flößen nach München 120 Gulden
Anlanden der Fracht in München 34 Gulden, 7 Kreuzer
Transport in die Werkstatt Boos 3 Gulden, 38 Kreuzer
Bildhauerarbeiten durch Herrn Boos 150 Gulden
Vergoldung von Portrait und Wappen 11 Gulden
Bewirtungskosten 9 Gulden, 56 Kreuzer
Gesamtsumme 770 Gulden, 28 Kreuzer

Zum Vergleich: Der Taglohn eines Arbeiters im Steinbruch betrug 45 Kreuzer. Er hätte also 200 Tage für das Honorar des Bildhauers Roman Boos arbeiten müssen.
Seinen Plan, das Denkmal am 11. Oktober 1796 in einer würdigen Feier aufstellen zu lassen, konnte der Abt nicht verwirklichen, obwohl er die einzelnen Stücke für die Pyramide schon von München hat herausbringen lassen. Eine starke klosterinterne Opposition gegen die Pläne des Abtes und der herein stürmenden Revolutionskriege mit den folgenden überaus belastenden Einquartierungen österreichischer Truppen bereitete dem Vorhaben und den Vorbereitungen dazu ein vorläufiges Ende. Die Klosteraufhebung am 17. März 1803 brachte das endgültige Aus.

Ausführung des Denkmals

Sehr bald nach der Aufhebung des Klosters Fürstenfeld am 17. März 1803 erinnerte man sich bei Hofe an die schon weit fortgeschrittenen Arbeiten zur Errichtung eines Denkmals für Kaiser Ludwig den Bayern in Puch. Schon am 4.Juni.1804 erging der kurfürstliche Befehl an den Präsidenten der kurfürstlichen Landesdirektion das vom Abt des aufgelösten Klosters geplante Monument an dem gleichen Platz aufzustellen, an dem der Tod den Kaiser ereilte. Nur der bereits eingemeißelte Text fand nicht das Gefallen seiner Durchlaucht des Kurfürsten. Er beauftragte die bayerische Akademie der Wissenschaften einen neuen, ihm genehmeren Text zu entwerfen. Bis der Auftrag den behördlichen Instanzenweg durchlief dauerte es vier Jahre. Erst am 11.7.1808 erteilte das "Königlich bayerische Landes Commissariat" der Königlichen Landbau Inspektion den Auftrag zur Erstellung des Denkmals, jedoch nicht am Kaiseranger, sondern an der Landstraße von Fürstenfeldbruck nach Augsburg. Für die Steinmetzarbeiten betrug der Aufwand 1.014 Gulden und für Fuhrlohn, Sand und Hilfsarbeiten nochmals 1.459 Gulden. Um dem Denkmal einen würdigen Rahmen zu geben, erhielt kein geringerer als der Gartenarchitekt Friedrich Ludwig von Sckell den Auftrag zur Gestaltung der umgebenden Anlage. Sckell stammte aus Weilburg an der Lahn, lernte in Bruchsal und Zweibrücken und war auf Vermittlung des Kurfürsten Karl Theodor 3 Jahre zur Weiterbildung in Frankreich und England. 1804 wurde er Hofgartenintendant in München. Mit der Gestaltung des Englischen Gartens in München führte er den englischen Gartenstil in Bayern ein.

Noch einmal meldete sich der in Bruck lebende, pensionierte letzte Abt des Klosters Fürstenfeld zu Wort. Er, der gegen vielfältigen Widerstand die Denkmalerstellung bis knapp vor Fertigstellung betrieb, schickte dem Steinmetz einen in seinem Besitz verbliebenen weißen Schieferstein mit der Aufschrift:
Gratitudo Fürstenfeldensis - Gerardo Abbate XL - Hoc paraverat dum delebatur - Anno 1802 Dieser wurde, nach seiner Darstellung, in den Grund des Monuments gelegt.

Das Denkmal besteht aus drei aufeinanderstehenden, nach oben immer höher werdenden quadratischen Steinblöcken, worauf ein Obelisk steht; alles aus weißem Ettaler Marmor. Der Obelisk trägt auf der Vorderseite das von Roman Anton Boos geschaffene Portrait des Kaisers und auf dem Block darunter eine lateinische Inschrift, deren Übersetzung lautet: "Zum frommen Gedenken an Ludwig den Bayern, römischer Kaiser, Verteidiger der deutschen Freiheit, Geber des bayerischen Landrechts, einen tapferen und standhaften Mann, setzte dieses Denkmal Maximilian, König von Bayern, 1808)".

Auf der Rückseite ziert die Pyramide der deutsche kaiserliche Doppeladler mit den bayerischen Wecken (Rauten) im Herzschild, darunter die Inschrift:
"Hier starb in den Armen/ eines Bauerns/ vom Tode überrascht/ den 11. Oktober 1347/ Ludwig der Baier/ Römischer Kaiser".
In die umgebende Parkanlage setzte von Sckell eine Tuffsteingrotte mit einer Brunnenanlage, zu deren Betrieb das Wasser in Holzdeicheln aus dem nahegelegenen Puch herüber geleitet wurde.

Dem Brucker Posthalter Louis Weiß ist die Aufsicht, Erhaltung, Nachpflanzung und Verschönerung für Denkmal und Parkanlage gegen eine jährliche Entschädigung übertragen wurden. Als deren Anweisung einmal ausblieb, reklamierte er und führte in seinem Schreiben die anfallenden Arbeiten auf:

  • Sicherung der Fugen des Obelisken;
  • Doppelte Einzäunung, Räumung der Gräben und Wege;
  • Pflege der Wasserleitung in Deicheln von Puch her;
  • Freihaltung des "Geräumt" (Sichtschneise) zum Kloster Fürstenfeld von jungem Anflug und faulen Stöcken.

Darauf wurde die unterbliebene Anweisung von 50 fl. jährlich nachgeholt.

Das Denkmal selbst steht seit nunmehr fast 200 Jahren unverändert an seinem Platz. Von der umgebenden Parkanlage des Hofgartenintendanten Schell blieben nur noch Bäume und Sträucher sowie die kleine Brunnenanlage.


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