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Der Engelsberg von Bruck...

Von Robert Weinzierl

Ursprung des Namens

Der westliche Ausläufer des Moränenhügels oberhalb der Klosterkirche Fürstenfeld wird von den Bruckern "Engelsberg" genannt. Der Name ist keine Flurbezeichnung. Nach alten Katasterblättern hieß der Höhenzug vom Bahnhof bis nach Fürstenfeld Osterberg. Die Bezeichnung Engelsberg sei nach der Chronik des Klosters Fürstenfeld, aufgezeichnet vom letzten Abt des Kloster, Gerard Führer, auf eine Sage zurückzuführen. Er schreibt dazu:

"Vor der Verlegung des von Herzog Ludwig II. gestifteten Klosters auf sein Feld bei dem Markt Bruck, auf des Fürsten Feld, lebte in Bruck ein gottseliger Mann, mit welchem sich manchmal gut und fromm gesinnte Leute besprachen. Unter anderem kam zufällig die Rede auf den Eberhardsgarten. Dieser lag am Fuß des Hügels, nach der Hand Engelsberg genannt, wo dermalen das Bräuhaus und die Schäfflerei steht. Den Namen Eberhardsgarten hat dieser verwilderte Ort beibehalten, weil in vorigen Zeiten ein Edler mit Namen Eberhard auf diesem Berg ein Schloß und seine Wohnung gehabt hat, wo sich noch die Spuren eines gezogenen Grabens zeigen. Dieser Ort war wild verwachsen, ein fürchterlicher Aufenthalt der Tiere. Die Leute klagten über diese ihnen so nahe gelegene Wildnis und Raubtiere, durch deren Geschrei und Heulen sie sehr oft von Schlaf aufgeschröcket wurden.
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Auf dem diesen Garten anliegenden Hügel vernahmen die Nachbarn lieblich tönende Stimmen, die zur Nachtzeit das Salve regina sangen. Seit diesem Ereignis wird dieser Hügel oder kleine Berg immer noch der Engelsberg genannt."

Spuren einer alten Burganlage

Der Moränenhügel südlich von Bruck hat genau über Fürstenfeld eine spornartige Ausbuchtung, die oben plateauartig abgeflacht ist. Um den Sporn herum führt heute die Straße nach Gelbenholzen. Durch einen tiefen Graben war das Plateau einst vom übrigen Gelände abgetrennt. Er ist noch deutlich erkennbar und nur in der Breite des Zugangs zum Plateau zugeschüttet. Man kann sich sehr gut vorstellen, daß hier einstmals eine Burg angelegt war. Sicher nicht in Form und Umfang von Burganlagen, wie wir sie heute noch in erhaltenem oder ruinösen Zustand kennen. Es dürfte sich vielmehr um eine in Holzbauweise errichtete Wehranlage gehandelt haben, die ihren Besitzern und einigen Bewohnern der darunterliegenden Siedlung in Zeiten der Gefahr einen gewissen Schutz geboten haben. Solche heute noch in der Bodenform erhaltenen ehemaligen Befestigungsanlagen nennt der Historiker Erdwerke.

Burggraben

Rechts und links vom heutigen Zugang zum Plateau auf dem Engelsberg ist noch der tief eingeschnittene Burggraben zu sehen.

Weltliche und geistliche Grundherren waren früher Besitzer des Landes. In unserem Gebiet finden wir um die Jahrtausendwende als solche im wesentlichen die Welfen und Wittelsbacher. Die regionale Verwaltung ihrer Besitzkomplexe übertrugen sie abhängigen Dienstmannen, Ministerialen genannt. Zumeist waren es im Kriegsdienst bewährte ehemalige Leibeigene, die mit diesem Auftrag gesellschaftlich aufgewertet wurden und zum Ortsadel aufstiegen. Sie erhielten die ihnen zur Verwaltung übertragenen Gebiete aus der Hand des Grundherren als "Lehen". In diesem Lehensbereich mußten sie für die Sicherheit der Straßen und Flußübergänge sorgen. Daneben oblag ihnen die Erhebung von Abgaben für den Grundherren, die Zivilgerichtsbarkeit und die Strafgerichtsbarkeit mit Ausnahme des Blutgerichtes; darunter fielen die todeswürdigen Verbrechen wie zum Beispiel Mord, Vergewaltigung und Kirchenraub Zur Verdeutlichung ihrer, gegenüber dem gemeinen Volk heraus gehobenen gesellschaftlichen Stellung, erlaubte ihnen der Grundherr die Errichtung befestigter Wohnsitze. Sie erbauten diese meist auf Hügeln, umgaben sie mit einem tiefen Graben und schützten den Zugang durch eine Zugbrücke. Damit waren sie besser zu verteidigen. Die Ausstattung solcher Wohnsitze darf man sich nicht luxuriös vorstellen. Das hätte ihnen der Grundherr sicher nicht erlaubt.

Aus der Lage der in Brucks Umgebung bekannten Erdwerke (Roggenstein, Gegenpoint, Engelsberg und Puch). läßt sich schließen, daß sie, wenn möglich, in Sichtweite voneinander errichtet worden sind. So konnten sich die Burgbewohner bei Annäherung von Feinden gegenseitig durch Rauch- oder Feuerzeichen vor der Gefahr warnen, damit Menschen und Tiere rechtzeitig in Sicherheit gebracht und die Tore geschlossen werden konnten. Auch wenn solche Befestigungsanlagen mit Sicherheit keiner Belagerung durch einen größeren Truppenverband stand halten konnten, so boten sie doch gerade in unruhigen Zeiten Schutz vor durchziehenden Plünderern und marodierenden Horden.

Wie ihre Grundherren, waren auch die Dienstmannen und Ortsadeligen darauf bedacht, daß ihre Kinder nicht unter ihrem Stand heirateten. Wenn es der Familie schon gelungen war gegenüber dem gemeinen Volk eine etwas heraus gehobenere Stellung zu erreichen, dann wollte man doch lieber verwandtschaftliche Beziehungen untereinander oder sogar nach oben als nach unten. So dürfen wir wohl annehmen, daß die auf den Burgen von Roggenstein, Gegenpoint, Bruck und Puch sitzenden Ministerialen untereinander verwandt und verschwägert waren.

Der Ausbau einer strafferen und effektiveren Verwaltung in ihrer landeshoheitlichen Grundherrschaft, was besonders die Wittelsbacher intensiv betrieben, nachdem sie 1180 von Kaiser Friedrich Barbarossa mit dem Herzogtum Bayern belehnt wurden, machte die Ministerialen nach und nach überflüssig. Nur ganz wenigen Familien gelang der Aufstieg in der Adelshierarchie. Alle anderen verarmten und versanken in die Bedeutungslosigkeit. Eine der letzten Familien in unserem unmittelbaren Bereich waren die Watten von Gegenpoint. Ihre steten Erbteilungen zwangen sie nach und nach zum Verkauf von Besitz- und Rechtstiteln. Dankbarer Abnehmer dafür war das Kloster Fürstenfeld.

Aus dem Stadtarchiv....

Im Besitz des Klosters

Sobald das Kloster den befestigten Wohnsitz eines Ortsadeligen erwerben konnte, ließ es ihn, soweit er nicht ohnehin schon verfallen war, schleifen, d.h. abreißen. Von der Burg Gegenpoint ist das aktenkundig. Dort ließ das Kloster nur die dem heiligen Nikolaus geweihte Burgkapelle stehen, woher der Burgstall heute noch den Namen Nikolausberg trägt. Die Befestigungsanlage auf dem Engelsberg war, wie uns die Sage überliefert, wohl schon zur Zeit der Klostergründung verfallen und die Familie untergegangen.

Wie das Kloster in der Folgezeit den Platz nutzte ist bislang unbekannt. Der Kupferstecher Michael Wening hat 1701 in seiner Ansicht von Fürstenfeld dort eine Schießstätte eingezeichnet. Sie diente sicher nicht militärischen Zwecken, sondern zu Schießübungen für die Jagd. Dieser Leidenschaft frönten Gäste und Vorsteher des Klosters.

Ort der Mutter Gottes Statue

Mutter Gottes Statue

Auf einem hohen Steinsockel und geschützt durch ein vergittertes Holzhäuschen steht die Muttergottes - Statue heute links vom
Zugang zum Plateau.

Die Muttergottes Statue aus der Hand des Klosterschreiners Bruder Desiderius Mentelschön.

Abt Martin II. Hazzi, bekannt durch den sorglosen Umgang mit dem Vermögen seiner Klostergemeinschaft hat im Jahr 1779 das Plateau über dem Kloster durch die Hände seiner jungen Religiosen umgestalten und einen Lustgarten anlegen lassen, um da seinen Religiosen, wie auch den im Kloster nicht selten und meist sehr zahlreich anwesenden Gästen einen angenehmen Unterhaltungsort unter freiem Himmel und schattigen Bäumen zu verschaffen. Zur besonderen Zierde dieses Gartens schuf der Klosterschreiner Bruder Desiderius Mendele eine Statue der Muttergottes. Um sie herum standen mehrere Engel, von denen jeder einen Schild vor sich hielt worauf eine Strophe des "Salve regina" stand, jenem Lobgesang auf die Gottesmutter, der in Teilen dem heiligen Bernhard von Clairvaux zugeschrieben wird. Der Garten war mit einem eisernen Gitter eingezäunt. Über dem Eingang war ein Schild angebracht auf dessen Außenseite bzw. Innenseite stand

HORTVS CONCLVSVS DEI GENITRIX MARIA
SPECIOSA AC SVAVIS IN DELITIIS GENITIRX MARIA

Ein verschlossener Garten - die Gottesmutter Maria
Wunderschön und lieblich, unsere Freude - die Mutter Maria

Sehr beliebt war in der Barockzeit die Hervorhebung von Buchstaben in lateinischen Texten, die gleichzeitig römische Ziffern bedeuten (Chronogramm). In der Addition ergeben diese Ziffern eine Jahreszahl, meist der Erstellung von Tafel oder Statue. Im vorstehenden Text ergibt sich in beiden Zeilen die Zahl 1779, das Jahr der Gartengestaltung.

Nach der Klosteraufhebung

30 Jahre nach der Klosteraufhebung war die Statue der Muttergottes auf dem Engelsberg durch Witterungseinflüsse äußerst ruinös geworden. Da bot sich der Handelsmann Adam Kaufmann von Bruck an, die Figur auf seine Kosten restaurieren zu lassen, wollte sie dann aber in seinem Garten aufstellen. Da sie aber, obwohl ruinös, Staatsbesitz war begann der Instanzenweg. Die Königliche Militär Fohlenhof Inspektion Fürstenfeld schrieb an ihre vorgesetzte Dienststelle, die Königliche Inspizierungs Commission und fragte, ob sie die Figur Herrn Kaufmann übereignen dürfe. Von dort erging der Auftrag, den früheren Klostergeistlichen und jetzigen Königlichen Hofpriester zu Fürstenfeld, Herrn Korbinian Vogt zu befragen, "ob das auf dem Engelsberg befindliche Muttergottesbild etwa einen besonderen geschichtlichen - oder religiösen Wert habe". Dieser verneinte in einer mündlichen Stellungnahme die Frage und befürwortete die Übereignung an Herrn Kaufmann, da für die Figur sicher besser gesorgt werde, wenn sich Jemand aus frommer Absicht darum annimmt und selbe vor dem baldigen Verderben, vor Verspottung und Verunreinigung rettet. Nach seiner Aussage sollen zu Klosterzeiten noch 12 Figuren im Kreise um das Muttergottesbild herumgestanden haben und mit einem eisernen Gitter verwahrt gewesen sein, welche aber alle nebst dem eisernen Gitter bereits vor langer Zeit weggekommen seien. Hierauf wurde das Königliche Kriegsministeriums eingeschaltet, das in seiner Entschließung feststellte: "Auch wenn nach Ansicht von Vogt das Bild keinen besonderen Wert haben soll, kann vorerst keine Genehmigung zur Übertragung an Herrn Kaufmann erteilt werden. Es müsse erst das Landgericht Bruck eingeschaltet werden. Nur wenn dieses keine Bedenken habe, könne die Entfernung erneut beantragt werden". Der Landrichter von Bruck wollte nun von Hofprieser Vogt eine schriftliche Stellungnahme. Darin wurde dieser etwas vorsichtiger. Zwar blieb er dabei, daß die Figur nicht als geschichtliches Monument aufgestellt worden sei und keinerlei künstlerischen Wert habe. Nun, da er sich schriftlich festlegen sollte, hielt er es doch für schade, wenn die bisher noch immer hochgeschätzte Muttergottes Statue und einzige Zierde des so beliebten Engelsberges entfernt würde, zumal viele der hiesigen Einwohner und auch der hierher kommenden Fremden schon wegen der schönen Aussicht dorthin wanderten. Deshalb empfiehlt er, das schöne, aber sehr beschädigte Muttergottesbild, auf Kosten der Königlichen Fohlenhof Inspection zu renovieren und auf dem bisherigen Platze zu belassen. Vorsichtig fügt er dann noch an, wenn die Kosten dafür nicht aufzubringen wären, sollte man doch die Figur dann doch lieber dem Herrn Kaufmann übergeben. Der Herr Landrichter von Bruck machte sich die Auffassung des Herrn Hofpriesters zu eigen und gab dessen Stellungnahme befürwortend an die Königliche Fohlenhof Inspection weiter, die sie ihrerseits den vorgesetzten Dienststellen in München vorlegte. Nachdem alle nur erdenklichen Behörden, bis hin zum Kriegsministerium eingeschaltet waren, erging endlich die Genehmigung zur Renovierung der Muttergottes Statue auf Kosten der Fohlenhof Inspection.

Auch wenn die bürokratische Aktion zum Schmunzeln verleitet, ein Gutes hatte sie: die Muttergottes Figur auf dem Engelsberg blieb seit nunmehr über 165 Jahren für die Allgemeinheit erhalten. Sie steht zwar nicht mehr auf dem alten Platz, der Blumenschmuck im Sommer zeigt aber, daß sie immer noch zahlreichen Besuch erhält.

Plateau auf dem Engelsberg

Noch immer bietet das Plateau auf dem Engelsberg dem Wanderer Rast und Erholung, auch wenn es nicht gerade ein Lustgarten ist. Die schöne Aussicht ist aber durch den Baumbewuchs stark eingeschränkt.


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