Home  >> Bibliothek   >> Brucker Geschichte   >> Brücken, Straßen, Häuser

Brucks alte Brücken, Straßen und Häuser

(Teil 1)

Ein Blick zurück in Wort und Bild

Von Robert Weinzierl

alte Karte

Plan des Marktes Bruck von 1806
Sammlung Robert Weinzierl, Fürstenfeldbruck



Straßen und Plätze im alten Bruck

Lebensader des Marktes Bruck war die Straße von München nach Augsburg. An ihrem Brückenübergang über die Amper entstand eine Ansiedlung, für die dieser namengebend war und aus der sich der Markt Bruck entwickelte. Nach Überquerung der drei Münchner Berge (zwischen Hoflach und der Ludwigshöhe) verlief sie in direkter Linie auf die Amperbrücke zu. Dort wo sie sich vom letzten Münchner Berg in das Ampertal senkte stand das Siechenhaus und die dazu gehörige St. Wolfgangskirche (heute Areal der Deutschen Post AG). Gleich am Eingang zum Markt stand an der Straße des Zollhaus (östlich vom Weißgerberanwesen, Haus Nr. 6, jetzt St. Leonhards Platz Nr. 6;Bernhard Huber). Zwischen dem Zollhaus und dem Haus Nr. 5 (jetzt Münchner Straße 8; Hans Seeberger) war der Platz zum "Egglprunnen". Der Name kam vom Egglbrunnen, der gegenüber neben dem Amtshaus des Klosters, Haus Nr. 148, jetzt Münchner Straße 5; Johann Kiener) stand. Die Bezeichnung "St. Leonhards Platz" ist relativ neu, früher war das die Münchner Straße und die neun Anwesen östlich vom Platz zum Egglprunnen (jetzt Münchner Straße) waren im "Grottenthal" oder "Krotenthal". Westlich von der St. Leonhardskirche ging's durchs "Pullach" zur Pullachmühle.

Zentrum war der Marktplatz. Von diesem bog bald nach der Brücke die Augsburger Straße im rechten Winkel nach Westen ab (heute Schöngeisinger Straße). Sie verlief dann weiter über die heutige Puchermühlstraße, vorbei am Wegkreuz beim heutigen Herrenweg, zum Pucher Berg. Erst 1766 wurde der heutige Straßenverlauf angelegt und die alte Augsburger Straße in Geisinger Straße (Schöngeisinger Straße) umbenannt. Unverändert blieb die Kirchstraße, früher "Kirchengaße", zeitweilig "Forstmeister Gasse" genannt und die Pruggmayrstraße (früher "Kirchgäßl"). Am Nordende des Marktplatzes gelangte man durch eine sehr schmale Gasse, die "Pucher - Gaße" (heute Pucher Straße) zu den wenigen, dort bestehenden Anwesen. Östlich gegenüber schloß sich der "Roßbühel" an. Er umfaßt die Häuser bis zum Beginn der heutigen Maisacher Straße.

In diesem Umfang blieb der Markt Bruck im Laufe seiner Geschichte bis etwa zum Jahre 1860. Dann, so schreibt Jakob Dirnagl, "erwachte jedoch auch in Bruck die Baulust derart, daß man genötigt war, dem Bedürfnisse entsprechend mit Feststellung von neuen Baulinien zu beginnen". Es entstanden in dieser Zeit:

Damit war das Ende des alten Marktes Bruck eingeleitet. Wellenartig setzte sich die Entwicklung fort bis in unsere Zeit.



Brücken im alten Markt

Amperbrücke

Der alte Deichensteg in Holzkonstruktion
Bild von Karl Robiczek (1837 - 1918)

Postkarte Stadtmuseum Fürstenfeldbruck

Die Amperbrücke am Südende des Marktplatzes ist die historisch bedeutsamste Brücke. Sie gab der Ansiedlung, aus der sich Markt und Stadt entwickelten, ihren Namen. Ihre Holzkonstruktion bedurfte regelmäßiger Ausbesserung und Erneuerung, sie fiel auch wiederholt Hochwassern und Eisstößen der Amper zum Opfer. Die Benützung der Brücke war zollpflichtig. Nicht nur Fremde Benutzer, auch die im Markt nördlich der Amper wohnenden Bürger mußten für jede Überquerung der Brücke Zoll entrichten. Eine besondere Belastung für all jene, die landwirtschaftliche Gründe südlich der Amper besaßen. Jede Fahrt zur Bestellung ihrer Felder jenseits der Amper kostete für die Hin- und Rückfahrt, also zweimal, Zoll. Das Zollrecht hatten die Gegenpointer zu Lehen und verkauften es 1361 an das Kloster Fürstenfeld. Dieses verpachtete es an einen Zöllner zu Bruck, der dafür die Brücke in Stand halten mußte. Ein sehr einträgliches Geschäft war das sicher nicht, sonst hätte das Kloster sein Zollrecht wohl selbst ausgeübt. Die Zöllner wohnten im Zollhaus, östlich des Gerberanwesens am jetzigen St. Leonhardplatz. Da die Straße an seinem Haus vorbei führte, kam ihm kein Zollpflichtiger aus. Nachts verschloß er die Brücke mit einem Schlagbaum, den "Bruckhenschlag", wie er des öfteren genannt wird. So hieß z.B. das Anwesen Hauptstraße 2, jetzt Fam. Bosch, "Zum Pöck am Pruggenschlag". Darin übten vom Jahr 1595 bis zum Jahr 1900 Bäcker ihr Gewerbe aus. Bald nach Aufhebung des Klosters, am 16.7.1804, nahm die Churfürstliche Landes Direktion von Bayern den Vorschlag der Brucker Bürger an und entband sie von der Zollentrichtung, verpflichtete sie aber zum Unterhalt der Brücke. Dazu gehörte auch die unentgeltliche Hilfeleistung auf der Brücke bei Hochwasser und Eisstößen.

Vom Marktplatz kommend konnten Tiere (Pferde und Ochsen) neben der Brücke in die "Rossschwemme" zum Waschen geführt werden. Zur Flussmitte hin war die Rossschwemme mit einem langen Holzstamm abgesichert, dass kein Tier in das tiefere Wasser gelangen konnte und Gefahr lief abgetrieben zu werden.

Amperbrücke mit Pferdeschwemme

Alte, hölzerne Amperbrücke mit Pferdeschwemme
Sammlung Sigi Späth, Stadtarchiv Fürstenfeldbruck

909 ist die alte Holzbrücke durch eine Stahlbetonkonstruktion ersetzt worden. Ihr kommt, nach fachlicher Beurteilung, "künstlerische und architektonische Qualität zu, die sich vor allem in der Ausbildung der Brückenbrüstungen in Formen des Jugendstils mit eingespannten Gittern zeigt". Dieses schöne Bild wurde in jüngster Zeit leider durch die aus Sicherheitsgründen angebrachten, unverhältnismäßig dicken Rohre sehr beeinträchtigt. Bemerkenswert ist, daß die Brücke in den über 90 Jahren ihres Bestehens noch keiner grundlegenden Erneuerung bedurfte.

Zu Beginn des ersten Weltkrieges kamen unglaubliche Gerüchte in Umlauf über mögliche Sabotage - Akte, Vergiftung öffentlicher Wasserleitungen, Auftreten von Spionen und dergleichen. Dem begegnete man mit übereifrigen Kontrollen. Selbst der Brucker Hofkaplan August Aumüller geriet in München wegen seiner braunen Hautfarbe in den Verdacht ein ausländischer Spion zu sein und wurde verhaftet. Er konnte sich aber auf der Wache legitimieren und wurde sofort wieder freigelassen. In Bruck fahndete man eifrig nach Autos, die angeblich heimlich Gold in Ausland schaffen. Dazu wurde von den Kontroll Mannschaften des Bezirksamtes mit einem Heuwagen die Amperbrücke abgesperrt. Später ersetzten sie diesen durch einen Schlagbaum.

Im April 1945 retteten mutige Brucker Bürger durch ihr beherztes Eintreten die Amperbrücke vor der Sprengung durch fliehende SS - Einheiten. Und so steht sie heute noch, unsere gute alte Amperbrücke aus dem Jahr 1909.

Westlich der Amperbrücke baute der Mühlenbesitzer Anton Aumüller einen Steg von seinem Mühlengelände zur Schöngeisinger Straße. Mit Übernahme des Aumüller'schen Mühlenkomplexes durch die Marktgemeinde Fürstenfeldbruck ging auch der Steg in deren Besitz über. Wegen seines silberfarbenen Anstriches wird er "Silbersteg" genannt.

Die Schlachthofbrücke, früher Obermühlbrücke genannt, überspannte einen Nebenarm der Amper und diente nur der Zufahrt zur Obermühle, heute Kraftwerk der Stadtwerke, und zur Hammerschmiede. Unterhaltspflichtig waren daher Obermüller und Hammerschmied. Seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts beteiligte sich daran auch die Marktsgemeinde. Seit Übernahme der Mühle und dem Abbruch der Hammerschmiede ist die Markts/Stadtgemeinde allein unterhaltspflichtig.

Weiter westlich überspannte die "Lange - Brücke" die Amper, heute Fußgängerbrücke an der Klosterstraße. Sie war Eigentum des Klosters und durfte ausschließlich von diesem benutzt werden, um zu den landwirtschaftlichen Gründen nördlich der Amper zu kommen, daher wohl im Volksmund "Heubrücke" genannt. Die Unterhaltspflicht oblag daher nur dem Kloster.

Ab 1877 drängte das Bezirksamt darauf neben der Amperbrücke eine zweite Verbindung über die Amper zu errichten und schlug vor , eine Brücke vom "Oppenheimer Haus" an der Münchner Straße (jetzt Münchner Straße 5, Johann Kiener) bis zur Pfarrkirche St. Magdalena zu bauen. Bei Abwägung der Kosten kamen Gemeindebevollmächtigte und Magistrat überein, daß es billiger sei, die schon vorhandene, aber versperrte Brücke der Bräuer Instand zu setzen. Dazu schlossen sie einen Vertrag mit den Bräuern und der Steg konnte 1879 eröffnet werden.

Östlich des Marktes überspannt der Deichensteg als Fußgängerbrücke die Amper. Ihn haben der Brucker Posthalter und 5 Bräuer errichtet um darüber ihre in Deicheln (Holzrohren) gefasste Wasserleitung über die Amper zu führen. In einem Vertrag vom 20. Juni 1799 kamen Ludwig Weiß (Posthalter), Zacharias Loder (Martha - Bräu), Franz Mathias Lauter (Gänsstaller - Bräu, Gerbl - Bräu), Josef Kaufmann (Metz - Bräu, Bichler - Bräu), Michael Kratzer (Jung - Bräu, Drexler) und Adam Pruggmair (Metzger - Bräu, Sparkasse) überein, eine Wasserleitung von den Quellen hinter dem großen Weiher beim Weiherhaus bis in den Markt zu bauen. Man kann mit Sicherheit annehmen, daß Wasser aus den Oberflächenbrunnen im Markt zum Bierbrauen nicht mehr geeignet war. Diese Leitung existiert heute noch bis zum Hotel Post.

Im Jahr 1845 ließen die beteiligten Bräuer den Steg zu einer förmlichen Brücke umändern, was ihnen jedoch das Landgericht untersagte. Daraufhin mußten sie die Brücke zu beiden Seiten mit Türen versperren. Wie vorhin erwähnt ist er dreißig Jahre später als zweiter Amperübergang geöffnet worden. 1903 wurde der alte Holzsteg durch eine Eisenkonstruktion ersetzt, die wiederum 1952 einer Stahlbetonbrücke weichen mußte.

Brückenschmuck

Die Amperbrücke am Marktplatz schmückte früher ein Kreuz. Das wissen wir aus einem Heiratsvertrag vom 18.6.1641 und es ist auch auf dem Stich von Michael Wening, vor 1700, deutlich zu sehen.

Als man 1718 bei Öffnung des Sarkophages des 1393 von König Wenzel in der Moldau ertränkten Johann von Pomuk (Südböhmen) Teile seines Körpers unverwest vorfand, begann flutartig seine Verehrung, auch im süddeutschen Raum. Ob seiner Todesart erhob ihn das Volk zum Brückenheiligen. 1722, schon 7 Jahre vor seiner Heiligsprechung durch Rom, ersetzte man in Bruck das Kreuz auf der Brücke durch eine Statue des neuen Heiligen. Sie war in Lebensgröße aus Kupfer getrieben und stand auf einer aus Naturfelsen vom Flußbett aufsteigenden Pyramide. 1875 tauschte ein Münchner Kunsthändler diese Statue durch eine gleich große, aus Holz geschnitzte aus, die aber den Bruckern ganz und gar nicht gefiel. Am 17. 8. 1875 schreibt Bürgermeister Johann Baptist Miller, der Bruder des berühmten Erzgießers Ferdinand von Miller, daß die Figur keinen künstlerischen Wert habe und insbesondere der Kopf häufig Anlaß zu spöttischen Bemerkungen der Vorübergehenden gebe. Drei Jahre später mußte sie einer Terrakotta - Figur aus der Mayer'schen Hofkunstanstalt München weichen. 1914 ersetzte man diese wiederum durch eine von Bildhauer Hoser aus Stein gemeißelte Figur, die noch heute unsere Amperbrücke ziert.

Der Kopf des Nepomuk

Verspotteter Kopf der Figur des heiligen Johann von Pomuk aus der Hand Christian Johrhans d.Ä., die früher kurze Zeit auf der Amperbrücke stand.
Bild Robert Weinzierl Fürstenfeldbruck

Die verspottete Holzstatue des heiligen Johannes von Pomuk gelangte über den Kunsthandel in die Staatlichen Mussen - Preussischer Kulturbesitz nach Berlin und steht heute in der dortigen Skulpturensammlung. Sie wird Christian Jorhan d. Ä. zugeschrieben und um 1760 datiert. Wenn das die Brucker damals geahnt hätten...

Auch an der Schlachthofbrücke stand früher eine Statue des heiligen Johann von Pomuk, genannt "Nepomuk". Sie war weiß angestrichen und regelmäßig durch den Straßenstaub sehr verschmutzt. Über deren Reinigung und die dabei gemachte Entdeckung berichtete mir der pensionierte Leiter des städtischen Bauhofes, Herr Felber:

"Wie schon so oft, beauftragte ich zu Beginn der 80er Jahre wieder einmal einen meiner Mitarbeiter, den Nepomuk an der Schlachthofbrücke mit Wurzelbürste und Wasser zu reinigen. Als er zurückkam berichtete er, daß die Farbe schon abfalle und ein neuer Anstrich fällig sei. Ich fragte bei einem Farbenhändler in der Nähe nach einer geeigneten Farbe. Der wollte sich den Schaden selbst anschauen, um die richtige Farbe auswählen zu können. Nach seiner Besichtigung empfahl er mir dringend vor einem neuen Anstrich einen Kirchenmaler einzuschalten. Der zu Rate gezogene Hans Hausch kam zur Überzeugung, daß die Figur zur Begutachtung in das Landesamt für Denkmalpflege gebracht werden müsse. Auf keinen Fall dürfe sie wieder nur gestrichen werden. So brachten wir den Nepomuk dorthin."

Zur Überraschung aller Beteiligten kam unter mehreren Farbschichten eine sehr schöne Statue zum Vorschein. Fachleute schreiben sie der Hand des berühmten bayerischen Bildhauers Ignatz Günther zu und datieren sie auf 1760. Sie ist heue ein Schmuckstück unter den Beständen unseres Stadtmuseums und darf nur mit äußerster Sorgfalt angetastet und keineswegs mit Amperwasser und Wurzelbürste abgewaschen werden. Aber sie hat diese Behandlung überstanden.

Nepomuk

Der Nepomuk von der Schlachthofbrücke im heutigen Zustand
Postkarte Stadtmuseum Fürstenfeldbruck


Nach oben>