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Brucks alte Strassen und Häuser

(2. Teil)

Von Robert Weinzierl



Das Krottental

Dort wo die einst wichtige Straße von München kommend den Markt Bruck erreichte (heute Stockmeierweg) traf sie direkt auf das Amtshaus des Klosters Fürstenfeld (heute Münchner Strasse 5 - Spedition Kiener). Westlich vor diesem stand in einem Garten der 'Egglbrunnen', von dem der Platz davor (heute Leonhardsplatz) seinen Namen erhielt. In diesem Brunnen züchtete der Bader vom Badhaus (Leonhardsplatz 1 - Hotel Hartmann) seine Blutegel für die Aderlässe. Links der alten Münchner Straße (heute Haus Nr. 2 - Wohnhaus, ehemals Spedition Strasser) stand das Haus des Brückenzöllners, der den Brückenzoll an der Amperbrücke einkassierte. Es wurde Zollhaus oder Zollnergütl genannt. Von der alten Münchner Straße nach Osten zog sich das Krottental hin. Eine feuchte, immer wieder vom Hochwasser überschwemmte Gegend, in der es viele Kröten gab, daher der Name. Häuser standen dort im wesentlichen nur auf der, der Amper abgewandten Südseite dieser Gasse. Ihre Besitzer waren Kleinhandwerker und die Häuser bescheiden, ebenerdig und so nieder, daß die Brucker spöttisch meinten, die dortigen Bewohner könnten beim Verlassen des Hauses ohne Mühe den Haustürschlüssel in der Dachrinne deponieren.
Das letzte Haus (heute Tankstelle) erwarb 1810 die Marktgemeinde und richtete darin das Armen- und Krankenhaus der Gemeinde ein. Dort blieb es bis im Jahr 1843 der Neubau an der Dachauer Straße bezogen werden konnte.


Bullachstraße

Vom Leonhardsplatz nach Süden begann schon immer die Straße zum Kloster Fürstenfeld. Sie führte aber durch Wiesen und Felder, die bis an den Leonhardsplatz heranreichten. Nur am Beginn der Straße standen an der rechten Seite zwei kleine Häuschen. Vom Leonhardsplatz nach Westen erstreckte sich das Pullach oder Bullach (Bullachstraße). Ein ebenfalls feuchtes Viertel, worauf wiederum der Name hindeutet. Es gehört sicher zum ältesten Bestandteil des Marktes Bruck. So ist die am Ende stehende Mühle, die Bullachmühle (heute Stadtbibliothek und Stadtwerke), schon aus der Zeit der ersten nachweislichen Grundherren von Bruck, den Watten von Gegenpoint, urkundlich belegt. Vom Haus Bullachstraße 3 berichtet der Chronist Jakob Dirnagl, daß es von 1860 bis 1867 im Besitz einer Schneidersfrau aus München war, die unter dem Titel einer Gräfin sehr großen Schwindel getrieben habe. Im übrigen bewohnten das Bullach Taglöhner und Kleinhandwerker, die durch Hochwasser sehr geplagt waren. In einem Jahr, so berichtet der Chronist, stieg das Wasser so hoch, daß die Bewohner des Bullach mit Zillen (Kähnen) von den Dächern, auf die sie sich flüchteten, geholt werden mußten.


Ledererstraße

Die Straße hieß früher, von der Amperbrücke bis dort, wo sie im rechten Winkel zur Schöngeisinger Straße abbiegt, der Amperwinkel oder noch früher als man den Fluß auch in Bruck Ammer nannte, einfach an der Ammer. Von den 4 dort stehenden Anwesen waren zwei im Besitz von Gerbern oder auch Lederern genannt, daher die heutige Bezeichnung.
Gerber Irlbeck baute sich gleich am Anfang der Gasse (Ledererstraße 2) ein ansehnliches Wohnhaus, das 1928 die Marktgemeinde mit dem gesamten Anwesen erwarb. Darin wurde die Sparkasse unterbrachte, bis sie 1935 in das neu erbaute Rathaus (heute Sparkasse) umziehen konnte.

Der Amperwinkl (heute Ledererstraße) bei der Überschwemmung im September 1890. Beherrschend die Gerberei (Lederfabrik) des Josef Irlbeck. Rechts daneben das Wohnhaus, in das 1925 die Sparkasse einzog.





Schmiedgassl

Vom Amperwinkel zur Schöngeisinger Straße hieß die heutige Ledererstraße das Schmiedgassl, denn das letzte Anwesen an der westlichen Ecke Lederer-/Schöngeisinger Straße war eine Hufschmiede. Von 1716 bis 1827 im Besitz der Familie Stiglmaier. Der hier 1793 geborene Johann Baptist Stiglmaier gründete im Auftrag König Ludwig I. die königliche Erzgießerei in München. Sein Neffe Ferdinand Miller, Sohn seiner Schwester Juliane, folgte ihm nach und brachte die Münchner Erzgießerei zu Weltruhm.
An der Ostseite des Schmiedgässels erstreckte sich der Besitz der Brauer vom Marktplatz Nr. 1 (Gerblbräu) bis zur Schöngeisinger Straße. An der Westseite standen 6 Kleinhandwerker und Taglöhnerhäuser.



Schlossergassl

Dort wo sich die zum Platz weitende Schöngeisinger Straße wieder verengt bog nach rechts das Schlossergassl ab, das als Puchergmaingassl weiter bis zum Nachbarort Puch führte. An diesem Steig standen zwei Wegkreuze. Das erst dort, wo der Steig die leichte Anhöhe erklomm (Einmündung der Kapuziner in die Pucher Straße). Es hängt heute noch an der Südwand des Hauses Pucherstraße 51 (östliches Eckhauses zur Kapuzinerstraße). Das zweite Wegkreuz am Puchersteig steht noch heute am Herrenweg. Seinen Namen erhielt das Schlossergassl von der Schlosserei an seinem Beginn (heute Schöngeisinger Straße 20 - Leder Franzl).



Pucher Straße

Einst eine ganz schmale Gasse am Nordwestende des Marktplatzes, Puchergasse oder Puchersteig genannt.. Mitte des 19. Jahrhunderts erhielt sie den Spottnamen 'Hexengassl', was aber nach Meinung des Chronisten Dirnagl eine keiner Weise gerechtfertigt sei. 1903 hat man zur Verbreiterung Häuser auf der Nordseite auf Kosten der Marktgemeinde abgerissen, eines davon zurückversetzt. Erst in unserer Zeit kam es zum Abbruch der drei Häuser auf der Südseite, so daß die Straße eine verkehrsgerechte Breite erhielt.



Kirchgassl

An dieser, auch Kochgassl genannt (heute Pruggmayrstraße), stand am Ende, vor der Kirche, das alte Gemeindehaus. Es war ursprünglich das Wohnhaus für den Kaplan an der Pfarrkirche St. Magdalena, wurde 1676 Schulhaus der Marktgemeinde und 1826 für 40 Jahre deren Rathaus. Anschließend brachte man die Armen dort unter, bis es 1970 dem Pfarrheim von St. Magdalena weichen mußte. Der Amper entlang waren zwei Gerberanwesen. Der Name Kochgassl stammt vom Anwesen Marktplatz 6 (Haus Schwalber) auf dem jahrhundertelang ein Metzger und Koch sein Handwerk ausübte. Er besaß auch das Zapfrecht, d.h. er durfte Bier ausschenken. Sicher hat er, wie es heute bei manchen Metzgereien wieder üblich ist, kleine Gerichte verabreicht und Getränke dazu serviert.

Die kleinen Häuser an der Münchner Straße. Im Bild die östlich an das Kiener Anwesen angrenzenden. So wie diese, sahen auch die Häuser auf der südlichen Straßenseite aus.


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