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Gedenksteine erinnern . . .

Von Robert Weinzierl

An den Außen- und Innenwänden der Pfarrkirche St. Magdalena in Fürstenfeldbruck sind Gedenktafeln eingelassen. Sie erinnern an Menschen, die einst in Bruck gelebt und gewirkt haben und die auf dem Friedhof ihre letzte Ruhestätte fanden, der einst die Kirche umgab. Solch ein Denkmal, auch Epitaph genannt, ist nicht identisch mit dem für dem Verstorbenen über seinem Grab errichteten Grabstein. Epitaphe wurden zur bleibenden Erinnerung an den Toten in der Regel aus Stein gefertigt und seit dem 14. Jahrhundert meist an Außen- oder Innenwänden einer Kirche angebracht. Damit wollte man sicherstellen, dass diese bei Auflösung des Grabes oder Veränderung des Friedhofes nicht verloren gehen.

So haben die steinernen Erinnerungstafeln die Zeiten überdauert, weitgehend vergessen sind aber die Menschen, deren Namen dort eingemeißelt sind. Mit diesen Beitrag soll, soweit das möglich ist, wieder an sie und ihr Wirken erinnert werden. Beginnen wir an der Westseite.

Die erste Tafel nennt uns die Namen von Familienangehörigen der Posthalterfamilie Weiß vom Beginn ihrer Ansiedlung in Bruck an. Der erstgenannte Michael Weiß kam 1600 nach Bruck und brachte es als Kramer zu Haus und Grundbesitz. Mit dem Weingastgeber Haus erwarb er auch die Gaststättenkonzession. Tüchtigkeit und Fleiß ermöglichten ihm den Kauf von fünf nebeneinander liegenden Häusern im Mittelpunkt des Marktes und damit in bester Verkehrslage. So schuf er ein beachtliches Anwesen, das bis heute, also nahezu 400 Jahre, im Familienbesitz blieb. Die Inschrift auf dem Gedenkstein bezeichnet ihn auch als "Umgelter", d.h. er hob die Getränkesteuer ein, sicher nicht zur Freude seiner Kollegen. Die folgenden Namen spiegeln 200 Jahre Familiengeschichte, deren Beschreibung ein dickes Buch füllen würde.

Rätselhaft erscheint der nächste Gedenkstein. Links im Wappen ein gekrönter Mohr, rechts über vier Querbalken ein Einhorn. Darüber acht Buchstaben: H M V V - C M - G M. Sie stehen als Abkürzung für Hans Mayr von Vierkirchen Catharina Mayr geborene Mörtl. Unter den Wappen die Zahlen 16 29 1604. Hans Mayr war Jurist. Er ließ sich zwischen 1565 und 1575 als Bürger in Bruck nieder. Abt Johann Puel vom Kloster Fürstenfeld ernannte ihn 1597 zum Klosterrichter in Bruck. Im gleichen Jahr erhob ihn auf Empfehlung Herzog Maximilians I von Bayern der deutsche Kaiser Rudolf II in den persönlichen Adelsstand mit dem Prädikat "von Vierkirchen" und erhielt das Wappen mit dem Mohrenkönig. In Vierkirchen besaß Mayr ein Bauerngut. Er war nicht nur Klosterrichter zu Bruck sondern auch Diener Herzog Ferdinands, dem Bruder des in Bayern regierenden Herzog Wilhelm V. Hans Mayr war Besitzer des "Zwerchhauses" (heute Rathaus) und eines Hauses in der damaligen Augsburger Straße, der heutigen Schöngeisinger Straße. Ein vermögender Mann also. Um so interessanter ist es dann, dass die Erben seines Vermögens nicht gewillt waren das Geld auszugeben um auf dem zweiten Epitaph (im Innern der Kirche), das er beim Tod seiner Frau Katharina 1604 anfertigen ließ, für ihn Todestag, -monat und -jahr an der vorbereiteten Stelle einmeißeln zu lassen. So ist auch auf dem Stein an der Außenmauer unklar, warum die Zahl 29 nicht neben der Jahrhundertangabe 16 steht, sondern abgerückt in der Mitte des Steines. Das Jahr 1604 steht eindeutig unter ihrem Wappen und ist ihr Todesjahr. Frau Mayr entstammte dem Nürnberger Geschlecht der Mörtl.

Epitaph Mayr








Das Epitaph für den Klosterrichter
Hans Mayr von Vierkirchen und seine Frau Caterina






Foto: R. Weinzierl




Hans Mayr scheint ein sehr forscher Richter gewesen zu sein, denn er klärte in einer Erbangelegenheit in einem Schreiben an den Dachauer Richter diesen in so unfreundlicher Weise für unzuständig, dass sich der Abt von Fürstenfeld für diesen Ton seines Klosterrichters entschuldigen musste. Als ihm 1611 das aus seiner Sicht unmoralische Treiben der Insassen des Siechenhauses bei St. Wolfgang (an der Münchner Straße) zu weit ging, wollte er das ganze Haus abbrechen lassen und das arme Gesindel verjagen. Ein Glück für die Inwohner dieses "Armenhauses", dass der Abt von Fürstenfeld, zu dieser Zeit der Pucher Sebastian Thoma, barmherziger war und dem Vorschlag seiner Klosterrichters nicht folgte.

Links daneben zwei kleinere Steinplatten, deren Inschriften an den "Hofrats Protocollisten und Tegernseeischen Hauspfleger in München" Johann Rudolf Hueber und den Priester Mathias Egenhover erinnern. Nichts ist in Bruck sonst noch über diese beiden Menschen bekannt.

Links vom Westportal eine Bronzetafel zur Erinnerung an den Hufschmiedmeister Augustin Stiglmayr, seine Frau und deren Kinder. Die Stiglmayrs saßen von 1716 bis 1827, vier Generationen lang, als Hufschmiede auf dem Anwesen "zum Hennenschmied" in der Schöngeisinger Straße 5. Der Sohn des Augustin Stiglmayr, Johann Baptist, brachte es zum Chef der königlichen Erzgießerei in München. Er war es, der den Sohn Ferdinand seiner Schwester Juliana in München ausbilden ließ und dadurch zum Wegbereiter des weltberühmten Erzgießers Ferdinand von Miller wurde.

Epitaph Lauter

Auf dem Steinepitaph links davon ist die Inschrift längst verwittert. Nach alten Aufzeichnungen lautete sie: "Franz Mathias Lauter, verh., Bierbräuer u. Weingastgeber, + 26. Juni 1801 in Fürstenfeldbruck, 65 Jahre alt. Er hinterließ eine Witwe mit 6 Kindern". Lauter kam aus der Gegend von Donauwörth und wurde 1764 als Bürger von Bruck aufgenommen. Er erwarb die Brauerei "zum Genstaller" (Hauptstraße 1) und die daneben liegende Gastwirtschaft. Unbekannt ist, warum von seinen 6 Kindern keines den elterlichen Besitz übernehmen konnte. Den brachte seine Witwe 1818 ihrem zweiten Ehemann Josef Heigenmayr und 1825 ihrem dritten Mann Josef Strobl in die Ehe ein.





Das Epitaph der Bierbrauerfamilie Lauter,
Besitzer der Brauerei "Gensstaller" (Hauptstraße 1)

Foto: R. Weinzierl.




Grabstein Abt Führer
Gegenüber dem Westeingang zur Pfarrkirche St. Magdalena steht in der kleinen Anlage der Gedenkstein für Gerard Führer, den 40. und letzten Abt des Klosters Fürstenfeld. In den Steinsockel des großen Metallkreuzes sind nach seinen Lebensdaten 5 Worte in lateinischer Sprache eingemeißelt:

"Studui, docui, praefui, sustinui, occubui"

Sie umschreiben das Leben eines überaus geistreichen Mannes, den das Schicksal arg gebeutelt hat.

"Ich habe gelernt, gelehrt, geleitet, gelitten und bin gestorben"



Gedenkstein für Abt Gerard Führer
bei der Pfarrkirche St. Magdalena Fürstenfeldbruck
Foto: R. Weinzierl





Er wurde am 12. Oktober 1745 als Sohn des Schreiners Führer in Erding geboren und auf den Namen Max Sebastian getauft. 1765 trat er in das Zisterzienserkloster Fürstenfeld ein und erhielt den Klosternamen Gerard. Dort und bei den Jesuiten in München hat er gelernt und erhielt eine gediegene Schulausbildung. 1770 zum Priester geweiht übernahm er im Kloster seelsorgliche und erzieherische Aufgaben, u. a. hat er als Professor für Philosophie und Theologie am klösterlichen Knabenseminar in Fürstenfeld gelehrt. Mit 43 Jahren bestellte ihn der Abt (Klostervorsteher) zu seinem Stellvertreter und 13 Jahre später wählten ihn seine Mitbrüder zu dessen Nachfolger. Als solcher hat er das Kloster bis zur Aufhebung geleitet. Es waren schwere Zeiten, in denen die Verantwortung für das Kloster Fürstenfeld auf seinen Schultern lastete. Unter Missernten durch Naturkatastrophen, kostenintensive Truppeneinquartierungen in Folge der napoleonischen Kriege und der brutalen Klosteraufhebung hat er sehr gelitten. 17 Jahre danach ist er in Fürstenfeldbruck gestorben und fand auf dem Brucker Friedhof seine letzte Ruhestätte.

Portrait Abt Führer


Gerard Führer, 40. und letzter Abt
des Zisterzienserklosters Fürstenfeld
Ölbild in der Klosterkirche Fürstenfeld


Im nachfolgenden Beitrag soll nun nicht ein Lebensbild des Abtes Gerard Führer gezeichnet, sondern versucht werden, aus der von ihm im Ruhestand verfassten, handschriftlichen Chronik seines Klosters Fürstenfeld die Sorgen herauszufiltern, die ihm seine Brucker Untertanen bereitet haben.

Schon vor langer Zeit hatte das Kloster oberhalb der heutigen Heubrücke ein größeres Areal mit dem Flurnahmen Oswald eingetauscht, hielt seine Kultivierung aber für überflüssig. Den Bruckern war das ganz recht. Sie ließen den Platz von ihrem Vieh abweiden, wenn sie es nach Hause trieben. Des Klosters Aufforderung, das zu unterlassen, rührte sie nicht. Vielmehr lagerten sie dort auch noch ihr gekauftes Triftholz. Als dann 1791 das Kloster erwachte und, wohl auf Betreiben des Priors Führer, seinen Brucker Untertanen gebot, das Holz abzuräumen sowie verbot ihr Vieh dort zu weiden, streikten sie beim Opfergang in der Kirche. Lächelnd gingen sie bei der Opferung an den Opferschalen des Kloster vorbei und legten ihr Schärflein nur in die Schale am Pfarraltar. Engagiertester Aufwiegler gegen die Pfaffen war der Forstmeister, der den Bruckern empfahl den Platz am Oswald nach dem Gewohnheitsrecht als ihr Eigentum zu betrachten. Es kam zum Rechtsstreit vor dem kurfürstlichen Gerichtshof. Kaum war Gerard Führer Abt des Kloster geworden, schob die aus seiner Sicht "streitsüchtige und widersätzliche Pruckergemeinde wie sie von Anbeginn gewesen ist " noch 12 Klagepunkte nach. Dem Abt war klar, dass bei dem herrschenden Zeitgeist, ein förmliches Gerichtsverfahren wenig Aussicht auf Erfolg versprach. So suchte er auf dem Verhandlungsweg mit "mehr vernünftigen, hiermit biegsameren Bürgervertretern" einen Vergleich zu erreichen, was ihm auch gelang. Den Abschluss feierte man mit einem feierlichen Gottesdienst, in dessen Verlauf "Böller abgebrannt" wurden. Interessant ist die Randbemerkung Abt Gerard Führers zu diesem Bericht, er schreibt: "Wenn z.B. durch den Klosterrichter denen Matadores der Gemeinde nicht angenehme Verordnungen von der Grund- und Jurisdiktionsherrschaft eröffnet wurden, so war alsbald der Schluss gefasst, das tun wir nicht, dies lassen wir nicht: Wenn nur einmal diese Pfaffenregierung ein Ende hätte !!! Hat ihr Ende bekommen die Gemeinde trauert."

Rückblickend ist diese Einstellung, zumindest der Hausbesitzer im Markt, dem Kloster gegenüber schon etwas verständlich. Dieses trachtete nämlich bei allen Truppendurchzügen darauf, dass im Kloster die zwar anspruchsvolleren, aber gesitteteren Offiziere Quartier fanden, die rauhbeinige Soldateska aber im Markt und den umliegenden Dörfern einquartiert wurde. So konnte Abt Gerard 1797 mit Hilfe einflussreicher Freunde am kurfürstlichen Hof die Einrichtung eines Lazaretts für 250 kranke und verwundete Soldaten vom Kloster abwenden. Es wurde nach Emmering abgeschoben, wo die oft mit ansteckenden Krankheiten behafteten Kranken manchem, zur Einquartierung gezwungenen Bauern Krankheit und Tod brachten. In seiner nachträglichen Darstellung dieses Vorganges findet sich kein Wort des Bedauern für die betroffenen Dorfbewohner.

Die bereits 1429 begonnenen Rechtsstreite der Hausbesitzer im Markt Bruck mit dem klösterlichen Grund- und Gerichtsherrn setzten sich über die ganze Klostergeschichte hinweg fort und fanden erst mit dem Vergleich unter Abt Gerard Führer im Jahr 1797 ihren Abschluss. Immer wieder stellten sie die Oberherrschaft des Klosters in Frage und wollten absolut nicht einsehen, dass ihnen die für landesherrliche Märkte selbstverständlichen Selbstverwaltungsrechte vorenthalten wurden. Umgekehrt sah das Kloster den Markt Bruck und seine Bewohner als einen ihm gehörenden geschlossenen Niedergerichtsbezirk (Hofmark) an. Abt Gerard Führer bezeichnet Bruck daher in seiner, mindestens ein Jahrzehnt nach der Klosteraufhebung geschriebenen Chronik, Bruck immer nur als Mark und nicht als Markt.

Jakob Groß, ein typischer Vertreter des selbstbewussten Bürgertums, schreibt in seiner 1877 im Druck erschienenen Chronik von Fürstenfeldbruck zur Klosteraufhebung ganz lapidar: "Für Bruck brachte die Klosteraufhebung keinerlei materiellen Nachteil. Der Markt gewann im Gegenteil seine Selbständigkeit in allen gemeindlichen Angelegenheiten wieder." Irrtum, Bruck hatte nie eine Selbständigkeit und konnte sie daher nicht wieder gewinnen.