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Zur Sommerfrische nach Fürstenfeldbruck

Von Robert Weinzierl
FFB-Sommerfrische

Medienberichte in hiesigen Zeitungen über Aktivitäten der Stadtverwaltung zur Förderung des Fremdenverkehrs in Fürstenfeldbruck lassen die Frage aufkommen, ob dies etwas Neues oder schon Altbekanntes ist. Beim Stöbern im Stadtarchiv finden sich alte Werbeprospekte und -broschüren, deren Text und Gestaltung vom damaligen Verschönerungsverein Fürstenfeldbruck stammen. Ihre Autoren hatten keine Scheu, die Vorzüge des Marktes Bruck in besonderer, manchmal übertriebener Weise herauszustellen. Wenn dem Leser von heute bestimmte Stellen ein Lächeln entlocken, mag sich aber doch manche Anregung darin finden. Dem soll ein Abdruck des Werbeheftes aus der Zeit um 1930 dienen.

Wenn sich mit gegenwärtigem Prospekt der freundliche Marktflecken Fürstenfeldbruck an der Amper einem verehrten, reiselustigen und erholungsbedürftigen Publikum vorzustellen gestattet, so geschieht es nicht, das selbe in Neuland und fremde Fernen fort, sondern zu den nur zu oft unterschätzten Schönheiten und Annehmlichkeiten der nächsten Heimat zurückzuführen. Und wenn in der gegenwärtigen Zeit der Geldknappheit, allgemeinen Übermüdung und Nervosität mehr denn je die Mahnung berechtigte ist: "Kehret wieder zu euren alten Heimstätten zurück", so hat wohl Fürstenfeldbruck Berechtigung, ja die Pflicht, sich diesem Publikum als eine der ältesten und freundlichsten Erholungs-Stätten unserer nähren Heimat in Erinnerung zu bringen. Schon vor fünfzig und mehreren Jahren, in den guten alten Zeiten, wurde Fürstenfeldbruck als Ausflugsort hoch geschätzt und es war besonders der Treffpunkt für die Münchner und Augsburger; die Künstler wussten wohl Fürstenfeldbruck als Fundgrube malerischer Motive zu schätzen und gründeten Malerkolonien und Malschulen, die sich bis heute noch erhalten haben.

Die Amperbäder genossen aber schon ihren Ruf zu den Zeiten Orlando di Lassos, ja in den Römerzeiten.

Fürstenfeldbruck liegt an der Bahnstrecke München - Buchloe und zwar noch im Münchner Vorortsverkehr und genießt alle Fahrtkostenvergünstigungen desselben: Billigeren Tarif und Sonntagsfahrkarten. Fürstenfeldbruck ist von München in 40 Minuten zu erreichen. Die Morgenzüge ermöglichen das rechtzeitige Eintreffen in München zu den Schulen und Büros, der letzte Abendzug gestattet noch bequem Rückkehr nach Theaterschluss. Von Augsburg fährt man in einer Stunde nach Maisach; von da gelangt man in 20 Minuten zu dem schöngelegenen, altrenommierten Maisacher Sommerkeller und von da in weiteren 20 Minuten nach Fürstenfeldbruck. Fürstenfeldbruck eignet sich so als Mittel- und Ausgangspunkt für schöne Ausflüge von München oder vom Ammersee her, zu Rundtouren von den Stationen der Ammersee- und der Augsburgerbahn hieher und zurück. Ja sogar das Hochgebirge ist in Tagesfahrten von hier aus bequem zu erreichen.

Badehütten bei der Amperbrücke im Markt

Fürstenfeldbruck hat in seiner unmittelbaren Umgebung selbst die schönsten Sparziergänge, die fast um den ganzen Ort führen. Schattenspendende Wälder sind überall schon in 10 Minuten zu erreichen. Besonders seien zu längeren oder kürzeren Sparziergängen nachstehende Punkte empfehlend genannt: Der sagenumrankte Engelsberg; die buchenbeschattete Osterberganlage mit Ausblick auf den in üppiges wiesengrün gebetteten Markt; das idyllische Weiherhäusl; die bequeme Ludwigshöhe ebenfalls durch prächtige Aussicht bekannt; der hübsche Weiler Gelbenholzen; das mit seinem altersgrauen Turm besonders markant hervortretende Pfaffing; Germansberg mit direktem Blick in die ganze Gebirgskette; Holzhausen mit seiner herrlichen Kirche; ferner das einsame Hoflach mit alter Kirche und berühmtem Deckengemälde; Alling mit römischer Hochschanze; Emmering jenseits eines mit uralten Eichen, Buchen und düsteren Tannen beschatteten von Malern gern aufgesuchten Waldgrundes; Esting mit uraltem Klösterlein, dessen Außenseite treffliche volkstümliche Fresken Sonners zieren; Olching mit neuer Kirche im Basilikastil mit hochmoderner Ausmalung; Roggenstein mit ausgedehnten unterirdischen Gängen; Puch mit der sogen. Kaisersäule (Todesstelle Ludwig des Bayern), der tausendjährigen Edigna-Linde und dem Grab J. A. Langbehn, des "Rembrandtdeutschen"; Rotschwaige mit einer ganzen Reihe großer Grabhügel; das historisch und landschaftlich gleich interessante Schöngeising (Aufenthalt Orlando di Lasso's); der durch den berüchtigten "bayerischen Hiesel" bekannt gewordene Jexhof; die Sonderburg; das mit Recht gepriesene, malerische Wildenroth; das als Zugangsort zum Ammersee bekannte Grafrath; die aufstrebenden Kolonien von Gernlinden, Gröbenzell und Eichenau.
Ein noch wenig beachtetes Gebiet ist die Nordseite von Fürstenfeldbruck über Maisach hinaus, der ganze Höhenrücken mit den Schlössern Nannhofen, Weyhern, Odelzhausen und den Dörfern Egenhofen, Aufkirchen, Bergkirchen usw. mit interessanten Kirchen. Das Gebiet soll durch Autoverbindung aufgeschlossen werden.

Fürstenfeldbruck liegt 520 Meter über dem Meere, also ziemlich hoch; das Klima von Fürstenfeldbruck ist kein übermäßig mildes; aber gerade die angenehme Kühle und der frische Windzug machen den Ort auch zur heißen Sommerzeit noch behaglich und stärken die Nerven. Die Luft ist ozonreich und staubfrei, sie ist auch vollständig frei von Fabrikrauch, da im Ort keine einzige Fabrikanlage besteht. Die Krankenkasse Landshut hat eigens dahier für ihre Genesenden ein Erholungsheim eingerichtet. Die Musterhafte Schlachthofanlage unter steter strengster Polizeikontrolle garantiert für stets einwandfreie Fleischversorgung.

FFB-Sommerfrische

Was aber den Ort besonders besuchenswert macht, sind seine schon genannten unvergleichlichen Bäder. Das Amperwasser ist ungemein weich und geschmeidig; es erreicht im Sommer eine Wärme von 19 Grad und hat eine sommerliche Durchschnittstemperatur von 17 1/2 Grad. Außer zahlreichen Privatbädern hat Fürstenfeldbruck ein Gemeindebad aufzuweisen, wie kaum ein zweiter Ort in Bayern, mit sehr großen Schwimmbassin, Sonnenbad, Kinderbad und zahlreichen Kabinen. Außerdem befindet sich im Ort ein gemeindliches, gut eingerichtetes Amper-Warmbad, das Sommer wie Winter offen ist. Wegen seiner Weiche und seinem großen Moorgehalt eignet sich das Amperwasser besonders zu Kuren gegen Muskel- und Gelenkrheumatismus, Ischias, Neuralgie, Lähmungen, gichtische Ablagerungen und ihre Folgezustände, zur allgemeinen Nerven- und Muskelstärkung. Viele Besucher von Moorbädern z. B. Bad Aibling kommen hierher zur Nachkur. Fürstenfeldbruck hat Badegäste, welche schon Jahrzehnte, ja seit 50 Jahren hieher kommen. Pfarrer Kneipp wollte dahier eine zweite Kaltwasserheilanstalt einrichten, wozu alle Vorbedingungen vorhanden sind; sein Tod hat dies verhindert. Für Hilfe in Krankheitsfällen ist hinreichend gesorgt durch 5 Ärzte, Apotheke, Krankenhaus und gut organisierte Sanitätskolonne.

Zum Freischwimmen ist hinreichend Gelegenheit geboten. Auch wird zur Sommerzeit regelrechter Schwimmunterricht erteilt. Zum Schifffahren ist nicht nur mit Dampfer von Grafrath weg bis Stegen auf der Amper und von dort weg auf dem Ammersee Gelegenheit geboten, sondern im Ort selbst, besonders auf dem schöngelegenen Weiher beim sogen. Weiherhaus. Dortselbst wird auch dem Wintersport fleißig gehuldigt mit Schlittschuhlaufen und Eisschießen. Sehr großer Beliebtheit erfreuen sich neuerer Zeit die Fahrten mit dem Faltboot von Grafrath oder Schöngeising nach Dachau mit Zwischenlandung in Fürstenfeldbruck bei der Amperbrücke. Fürstenfeldbruck hat keine großen Berge mit Gletscher und ewigen Schnee, aber südwärts vom Bahndamm ein gutwelliges Terrain, welches sich ganz vorzüglich zur Erlernung des Skifahrens eignet. Gute Skilehrer am Ort. Die Brucker Rodelbahn ist bekannt und wird sehr fleißig von München aus besucht; in deren Nähe eine Restaurationsgelegenheit. Fußballplätze sind vorhanden; ebenso eine gut eingerichtete Turnhalle und ein idealer Sportplatz für Leichtathletik. Der Fußballsport wird hier eifrig gepflegt. Fast jeder Sonntag bringt ein Wett- oder Freundschaftsspiel mit auswärtigen Gästen.

FFB - Weiherhaus
Restaurant Weiherhaus mit Weiher und
Bootshütten für die Sommerfrischler

Fürstenfeldbruck ist heute ein Marktflecken mit mehr als 5000 Einwohnern, also einer der größten und, wie man wohl ohne Eigenlob sagen darf, einer der schönsten Marktflecken Bayerns. Dabei hat es gar nichts modern kolonialhaftes an sich, sondern seinen guten, alten Charakter bewahrt. Die zahlreichen Nasenschilde an den Häusern weisen auf einen altangestammten, gut entwickelten Bürgerstand hin. Dabei ist Bruck Sitz eines Bezirks-, Finanz-, Forst-, Vermessungs-, Post- und Bahnamtes, eines Notariats und Amtsgerichts. Die ehemalige Unteroffiziersschule wurde in eine Gendarmerie- und Polizeischule umgewandelt. Auch besteht dahier eine landwirtschaftliche Winterschule mit angegliederten Kursen für Obstbau und Bienenzucht, Landfrauenhaushalt, Reit- und Fahrschule. Im Jahre 1891 legte dahier Oskar von Miller das erste bayer. Elektrizitätswerk mit Licht- und Kraftversorgung an. Sein Vater, Erzgießer Ferdinand von Miller der Ältere, sowie dessen Vorfahrer und Onkel Stiglmaier entstammen Brucker Bürgersfamilien, desgleichen der berühmte Münchener Historiker Mall und der Münchener Bürgermeister Klar. Eine Nachkommin des hiesigen Hauses Pettenbeck wurde die Gemahlin des Herzogs Ferdinand von Bayern. Auch lebte ein Vorfahre Schillers dahier. König Ludwig III. und sein Bruder Prinz Leopold standen in Fürstenfeldbruck in Garnison. Kaiser und Könige nahmen dahier Einkehr im Kloster Fürstenfeld oder im Hause des Posthalters Weiß, einem der ältesten und ehrwürdigsten Gasthöfe Bayerns.

In der Klosterkirche von Fürstenfeld besitzt Fürstenfeldbruck eine der schönsten Barockbauten Deutschlands, die zahlreichen Künstlern, darunter den großen Menzel, zu Skizzen und Bildern Anregung gab. Ein schönes Bild von der tausendjährigen Geschichte der Gegend bietet das nach dem Krieger wiederum neueingerichtete Bezirksmuseum, welches von maßgebender Seite als ein Schmuckkästchen unter den Provinzialmuseen bezeichnet wurde und das mit Recht. Verschiedene historisch merkwürdige Orte der Umgebung wurden schon genannt. Zahlreiche Sehenswürdigkeiten derselben wurden unter die "kunstgeschichtlichen Denkmäler Bayerns" aufgenommen, so z.B. die Pieta in Egenhofen. Die Fürstenfelder Kirche birgt ein Gnadenbild, eine Madonna aus dem Stammkloster der Zisterzienser, Citeau, Puch die Gebeine der gottseligen französischen Königstochter Edigna, Grafrath die Reliquien des heiligen Grafen Rasso. Entferntere Wallfahrtsorte sind das schöngelegene Andechs und die Missionsanstalt St. Ottilien mit hochinteressantem Missionsmuseum. Am Ort selbst ist in beiden Hauptkirchen Gelegenheit zur Andacht hinreichend geboten. Die evangelische Kirchengemeinde erhielt eine in neuester Zeit von Geheimrat Bestelmeyr gebaute Kirche. Aber nicht nur für seelische Anregung ist bestens gesorgt, sondern auch für des Leibes Wünsche durch zahlreiche Gaststätten, welche von Alters her in bestem Rufe standen.

FFB - Museumseingang
Eingangsraum im Bezirksmuseum Bruck

Mit denselben sind meist schattige Gärten und gemütliche Sommerkeller verbunden, Gelegenheiten zum Baden, Kahnfahren, Kegelscheiben, zu Spiel und Sport. Außer den bekannten Münchener und Augsburger Brauereien sorgen zwei renommierte einheimische Brauereien für auserlesenen Trinkstoff die Marthabrauerei und die Maisacher Brauerei. Die Marthabrauerei hat in ihrem Keller eine luftige, schöne Halle erbaut, welche gegen 1000 Menschen fasst; so ist für Vereine, welche hier ihre Feste halten oder sich ein Stelldichein geben wollen, auch für den Fall plötzlich eintretenden Wetters auf's beste gesorgt. Außerdem sind noch mehrere Säle vorhanden. Mehrere Konditoreien mit Kaffee's erfreuen sich des besten Rufes.

Beweis, dass sich hier gut leben lässt, ist eine Reihe alljährlich in Treue wiederkehrender Sommergäste, die zum Teil sogar bis vom Auslande kommen. Auch die Umgebung weist gute Gasthäuser auf. An Regentagen bieten ein Kino und die Volksbibliothek Zerstreuung. Privatquartiere stehen zur Verfügung, häufig mit Badegelegenheit im Hause.

Gemeinde und Verschönerungsverein geben sich alle Mühe, die Straßen und Spazierwege in gutem Zustande zu halten. Wünsche der Gäste werden allzeit gerne gehört und nach Möglichkeit berücksichtigt. Also

herzlich willkommen
in Fürstenfeldbruck


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