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Schulen in Bruck bis zur Säkularisation

Von Robert Weinzierl




Allgemeines

Die Anfänge des Schulwesens liegen im Mittelalter bei den Dom- und Klosterschulen. Sie dienten vor allem der Bildung des Klerikernachwuchses und der kirchlichen Hilfskräfte. Schon sehr früh wiesen Bischöfe ihre Pfarrer an, in ihren Pfarreien Pfarrschulen zu errichten. Möglicherweise ist das auf einen Bischofserlass Kaiser Karls des Grossen zurückzuführen. Diese Pfarrschulen sollten eine für jeden zugängliche Schule des Volkes sein und die Jugend religiös unterweisen. Soweit Eltern ihre Kinder in diese Pfarrschulen schickten, boten sie ihnen die einzige Bildungschance ihres Lebens.
Im Umkreis eines Klosters übernahm dieses die Aufgabe einer Pfarrschule. In unserem Bereich war das Zisterzienserkloster Fürstenfeld eine der frühesten Bildungsstätten jeglicher Art. In der Neuzeit richteten Klöster dann in größeren Orten ihres Einflussbereiches eigene Dorfschulen ein. So auch in Bruck.

Bis zum Ende des Mittelalters kümmerten sich also ausschließlich die Kirche und die Klöster um die Unterrichtung der Kinder und Jugendlichen. Erst mit dem Erstarken der Städte ergab sich die Notwendigkeit für geeignete Führungs- und Verwaltungskräfte zu sorgen. Es entstanden städtische Schulen, vor allem Lateinschulen. Mit dem Aufblühen des Handwerks ergab sich die Notwendigkeit auch für diesen Bereich den Nachwuchs elementar heranzubilden. Es entstanden spezifische Zunftschulen und sogenannte Winkelschulen. Vor der zielgerichteten und zweckbestimmten Unterweisung stand in Stadt- und Zunftschulen an erster Stelle immer die religiöse Unterweisung.

Die Reformation förderte die Einrichtung der Stadt- und Zunftschulen und gab einen wichtigen Anstoß zur Förderung des Schulwesens. War es in lutherisch gewordenen Gegenden die Absicht, dem Volk den unmittelbaren Zugang zur Bibel zu verschaffen, sollten in katholischen Gegenden die Gläubigen in die Lage versetzt werden, das aufkommende religiöse Schrifttum, vor allem den Katechismus des Petrus Canisius lesen zu können. Nach schweren Rückschlägen im Dreißigjährigen Krieg erholte sich das Schulwesen nur langsam.

Lag die Schule des Mittelalters noch ausschließlich im kirchlichen Aufgabenbereich, außerhalb der öffentlichen Verantwortung, so änderte sich das seit Beginn der Neuzeit, besonders seit der Reformation grundlegend. Nun nahmen sich landesherrliche und regionale Herrschaften des Schulwesens an. Sie griffen mittels Rechtsetzung und Verordnungen reglementierend ein. Dabei wurde aber der kirchliche Einfluss nicht abrupt und radikal verdrängt, vielmehr ergänzten sich staatliche und kirchliche Schulpolitik. Zwangsläufig weitete sich der staatliche Einfluss immer mehr aus. Eine erste Phase begann um 1700, als der bayerische Kurfürst Maximilian III. Joseph die ausschließliche Hoheit zum Erlass von Schulgesetzen für sich beanspruchte. Gegen den entschiedenen Widerstand der Kirche wollte er die Schulen als reine staatliche Einrichtungen. Die Kirche sollte sich um die Unterrichtung im Evangelium und Katechismus kümmern, die Festlegung des allgemeinen Lehrplanes geschehe aber in landesherrlichen Verordnungen.

Vom Geist der Aufklärung bestimmt war die Einrichtung einer neuen Schulaufsichtsbehörde an Stelle des bisherigen Geistlichen Rates. Damit änderte sich die Zuständigkeit für die Schulaufsicht ganz gründlich. Diese staatliche Behörde konnte aber auch weiterhin Geistliche als Schulinspektoren einsetzen. Nicht der Einfluss der Geistlichen in der Schule, sondern die Herrschaft der Kirche über die Schule war es, was nicht mehr geduldet werden sollte.

Klosterschule Fürstenfeld

Schon sehr früh begann das Kloster Fürstenfeld talentvolle Knaben aus Bruck und den umliegenden Ortschaften ohne Rücksicht auf die Vermögensverhältnisse der Eltern in ihrer Schule zu tüchtigen Männern für den geistlichen Stand oder den Staatsdienst heranzuziehen.[1] In sein Gymnasium wurden befähigte Brucker Kinder, welche die Volksschule hinter sich gebracht hatten noch sechs bis sieben Jahre in fremden Sprachen und weiterführenden Wissenschaften unterrichtet. Wenn die Schüler das Klostergymnasium erfolgreich absolviert hatten, wobei auf alte Sprachen, Latein und Griechisch sowie auf Musik besonderer Wert gelegt wurde, bezogen sie eine Universität. Bis zum Jahre 1500 bevorzugte man die Universität von Heidelberg, wo sich in einem eigenen Hause zeitweise bis zu fünfzehn Fürstenfelder Studenten befanden. Mit Beginn der Reformation wurde aber dieses Haus aufgelöst und an seine Stelle traten die Universitäten Dillingen, Ingolstadt und gelegentlich auch Salzburg.

In der Klosterschule bemühte man sich vordringlich um die Heranbildung eines Nachwuchses für den eigenen Konvent. Die Studenten waren aber nicht verpflichtet nach abgelegtem Examen in das Kloster Fürstenfeld als Mönche zurückzukehren. Sie konnten jeden anderen Beruf wählen, etwa Medizin, Rechtswissenschaft und Philologie. Die Nähe des Klosters Fürstenfeld zum herzoglichen Hof brachte es mit sich, dass die Schüler der Klosterschule, die nicht in den geistlichen Stand eintreten, den Nachwuchs für die herzogliche Hofschreiberei stellten. Bei der Aufnahme in die Klosterschule war allein das Talent eines Kindes wichtig, nicht die soziale Stellung oder das Vermögen der Eltern. In einem Schreiben von 1511 weist der Schreiber des Klosters Fürstenfeld darauf hin, dass "vil Knaben von Prugg...ins Cloßter Fürstenfeld...nit allein in die Schuel gangen, sondern ist auch täglich ...ihnen das Essen und Brot geben worden".[2] Einem Visitationsbericht von 1587 ist zu entnehmen, dass die Mönche für ihren Unterricht keinerlei Geschenke oder Bezahlung von den Eltern der Kinder nehmen durften.[3] Diese Ordensregel geht zurück auf das 3. Laterankonzil, auch den Armen unentgeltlich Gelegenheit zum Lese- und sonstigen Unterricht zu geben.

Besonders talentierten Kindern finanzierte das Kloster auch die weitere Bildung an einer Universität. Das lässt sich aus den Matrikeln der Universität Ingolstadt belegen. So hinterließ Abt Martin Dallmayr bei seinem Tode "fünfundzwanzig auf Kosten des Klosters theils Theologie und Jura, theils Philosophie studierende junge Männer, jüngere Studierende gar nicht gerechnet".[4] Die Bemühungen des Klosters Fürstenfeld um die Ausbildung junger, talentierter Knaben beschreibt Röckl wie folgt: "Jünglinge konnten sich, ohne Kosten der Ihrigen, den Wissenschaften, der Musik, der Kunst widmen. All dies wart vom Kloster, fortan, theils selbst gelehrt, theils befördert". Ja, so mancher junge Mann, vom Kloster auf Reisen gesendet, um sich in irgendeinem Metier auszubilden, verdankte demselben sein nachmaliges Unterkommen[5].

Beim Neubau des Klosters hatte man gegenüber der Kirche im sogenannten 'Gschlößl' ein Seminarium für die Klosterschule eingerichtet, das bis zur Klosteraufhebung 1803 bestand. 1754 war es mit 38 Kinder unbemittelten Eltern bei freiem Unterhalt belegt.[6] Die besten von ihnen schickte das Kloster auf seine Kosten in die Musikkonservatorien nach Augsburg und München. Weit über seinen Bereich hinaus bekannt wurden die musikalischen Darbietungen der Fürstenfelder Sängerknaben.

Lehrer an der Klosterschule

War ursprünglich allein die Kenntnis des Lehrstoffes ausschließliche Voraussetzung für den Lehrberuf, so stiegen im Lauf der Zeit die Anforderungen. Der Lehrer sollte in der Lage sein, aus der Fülle des Lehrstoffes das Geeignete für seine Schüler auswählen zu können. Er musste einen tugendhaften Lebenswandel führen, denn nichts war schlimmer als ein Leben, welches das Gegenteil von dem bekundet, was der Mund lehrt.[7]

Mangels einer bestimmten Anstalt zur Ausbildung der Lehrer schickte Kloster Fürstenfeld seine Lehramtsanwärter auf die Universitäten. Zunehmend bevorzugte man eine bayerische Universität. Vom ausgehenden 16. Jahrhundert wissen wir, dass zu jener Zeit kaum ein Kloster so viele eifrige und tüchtige Lehrer aufweisen konnte wie Fürstenfeld.[8] Von einem Pater Johann Dietmair wird uns berichtet, dass er nach seiner Rückkehr von der Universität Ingolstadt "Schüler heranbildete, die als Gelehrte in der Welt Aufsehen machten".[9]

Die ersten uns bekannten 'Schulmeister' an der Klosterschule, denen die Ausbildung von befähigten Schülern anvertraut war, sind ein Bruder Konrad (1321) und ein Bruder Wernher (1328 - 1339).[10]

Von dem Schulmeister Christofer Spitzweg, einem gebürtigen Brucker, ist bekannt, dass er fünfzig Klosterschüler zu unterrichten hatte. Seine Ausbildung erhielt er an den Universitäten in Leipzig und Ingolstadt. Im Fürstenfelder Klostergymnasium dozierte er über die Evangelien, die Fabeln des Aesop und andere lateinische Schriftsteller. Außerdem hielt er Unterricht in Musik.

Im Jahre 1575 erscheint häufig der "Magister mit den Buben". Im Jahre 1619 stellt der Abt einen Magister ein zu folgenden Bedingungen:

"Am Freitag vor Michaelstag 1619 habe ich den gelehrten Magister Bartholomäus Stammler zu einem Schulmeister aufgetan. Wann er fleißig ist, gebe ich ihm, weil er verheiratet ist (was hier vorher niemals gewesen) auf sein Wohlverhalten zur Besoldung vierteljährlich zehn Gulden, dann täglich, wenn er keinen Wein will, zwei Maß Bier. Er trinkt, wann er will. Ferner wöchentlich sieben große Brote und sieben Schafbraten, sowie drei Klafter Holz".

Marktschule in Bruck

Der Markt Bruck lag im Hoheitsgebiet der katholischen Wittelsbacher, die Grundherrschaft besaß Kloster Fürstenfeld. Da die Religionshoheit beim Landesherrn lag, blieben Bruck die durch die Reformation bedingten grundlegenden Veränderungen im Schulwesen erspart. Kloster Fürstenfeld übte weiterhin die Aufsicht über die Schule aus, bestellte die Lehrkräfte und bestimmte den Unterrichtsstoff und die Unterrichtsmethoden. Herzog Albrecht V. übertrug zwar 1569 die oberste Schulaufsicht dem 'geistlichen Rat' in München, unmittelbarer Aufsichtsträger für die Schule in Bruck blieb aber der Abt des Kloster Fürstenfeld, der auch gelegentlich zur Visitation die Schule aufsuchte. Auch nach der Einführung staatlicher Schulaufsichtsämter verblieb die Visitationspflicht an der Brucker Schule weiterhin beim Kloster von Fürstenfeld. Dieses bestätigte in einem Bericht von 1790, "die Schul wird ordentlich und wol gut gehalten". Hier hatte man im wesentlichen nur die Abhaltung des Religionsunterrichts im Auge, denn in einem kurfürstlichen Befehl wird nur zwei Jahre später auf erhebliche Mängel bei der Einführung und Einhaltung des Schulplanes von 1770 hingewiesen. Dieser Plan verlangte regelmäßigen Schulbesuch, Einteilung der Schule in Altersklassen, Gebrauch neuer Schulbücher und planmäßigen Unterricht durch die Lehrer. In seiner Erwiderung führte der Abt diese Versäumnisse darauf zurück, dass der alte Lehrer von Bruck bereits seit 40 Jahren im Dienst sei und deshalb zur Umstellung auf die neuen Anforderungen nicht mehr im Stande wäre.

Nach Aufhebung des Klosters Fürstenfeld im Jahr 1803 war die Lokalschulinspektion als oberste und die Distriktsschulinspektion als unterste Schulaufsichtsbehörde für die Schule in Bruck zuständig.

Von höchster staatlicher Stelle wollte man zu Beginn des 19. Jahrhunderts, dass in den Märkten Mittelpunktschulen für die umliegenden Gemeinden und Dörfer eingerichtet werden, so auch in Bruck. Das erwies sich aber vor Ort als problematisch und nahezu undurchführbar. Kinder aus den Orten Emmering, Holzhausen, Biburg, Pfaffing, Schöngeising und Puch besuchten zwar für kurze Zeit die Schule in Bruck, doch war der weite Schulweg, den sie zu Fuß im Sommer und Winter, sowie zu jeder Witterung zurücklegen mussten eine zu große zeitliche und körperliche Belastung für sie. Zudem war die dadurch bedingte hohe Schülerzahl von der Brucker Schule räumlich, personell und finanziell nicht zu verkraften. Das sahen sogar Behördenvertreter ein, weshalb alle Anstrengungen unternommen wurden in den Orten Emmering, Biburg, Schöngeising und Puch eigene Schulen einzurichten.

Versuchen wir der Frage nachzugehen, seit wann denn neben der Klosterschule in Fürstenfeld im Markt Bruck eine Schule bestand. Eine erste Erwähnung findet sich in einer Verkaufsurkunde vom 27. April 1472, dort steht: "hannsen der zeit Schulmayster und burger zu prugk".[11] Nun gibt es zwar eine Anzahl von Orten und Siedlungen in Oberbayern mit dem Namen Bruck, keine aber hatte zu dieser Zeit eine Größe, dass sie eine Schule unterhalten hätte können. Wir dürfen also mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass mit dem genannten 'Pruckh' unser Bruck bei Fürstenfeld gemeint ist und unsere Marktschule somit 1472 erstmals urkundlich genannt wird.

Am 14. Mai 1767 führte der damalige Vikar der Pfarrgemeinde St. Magdalena für die Schulkinder die Quatemberbeichte und -kommunion ein, "damit sie den Unterricht leichter beibehalten, den man ihnen in der Fasten- und Christenlehre gibt".[12]

Lehrer an der Marktschule in Bruck

Gerade an den Dorf- und Marktschulen in Bayern waren die Anforderungen an den Lehrer in den Anfängen gering. Es genügte zumeist das Grundwissen in der Religion und die Beherrschung des Lesens und Schreibens; eine schöne Handschrift war eine besondere Empfehlung. Anders bei der Marktschule in Bruck. Hier legten Abt und Kirchenpropst, die gemeinsam die Lehrer auswählten, ein- und wenn nötig auch absetzten, Wert auf gediegene Bildung: So wissen wir, dass die in den Jahren 1472 und 1560 genannten Schulmeister an Universitäten studiert hatten.

Der erste Schulmeister zu Bruck und Brucker Bürger, Hans Reitlinger [13], wird bereits in Jahre 1472 namentlich genannt, also zu einer Zeit, da in den Dörfern die Errichtung einer Schule noch nicht in Erwägung gezogen wurde. Diese bildungsfeindliche Einstellung der Dorfbewohner lag vor allen Dingen darin, dass man die Kinder schon früh zu leichter Feldarbeit und zum Viehhüten benötigte. Außerdem hielt man die Aufwendungen zum Schulhausbau und Unterhalt der Lehrperson nicht für erforderlich. Auch in Bruck gab es Familien, die ihren Kindern aus materieller Not eine gediegene Ausbildung vorenthalten mussten.

Hans Reitlinger hatte an den Universitäten in Leipzig und Ingolstadt seine Ausbildung genossen, erreichte aber keinen qualifizierten Abschluss.[14] Neben seiner Aufgabe als Lehrer an der Marktschule dozierte er am Fürstenfelder Klostergymnasium.

Aus der Lebensgeschichte des Aubinger Pfarrers Michael Gotzmann wissen wir, dass er ca. 1495 an der Marktschule in Bruck vom Lehrer Peter aus Schöngeising Unterricht erhielt. Die Kost bekam er mit den Armen im nahen Kloster Fürstenfeld.[15]

Um 1560 lehrte Schulmeister Christoph Spitzbeck, ein gebürtiger Brucker, an der Marktschule. Auch er hatte an den Universitäten Leipzig und Ingolstadt studiert.[16]

Aus dem Jahre 1589 liegt ein Leibgedingsbrief für den ehemaligen Schulmeister von Bruck, Johannes Ertl, vor, dem das Kloster im Alter eine Pension, eine Konventpfründe, bewilligt hatte:
"Jetzt ist ein Schullmeister und täglich Organist vorhanden, so die Stelle sollen alleine vertreten".[17] Dieser Lehrer, Joannes Lip, legte am 1. August 1601 die Lehrerstelle nieder. Die Vierer bestätigten ihm, "daß er dreizehn Jahre lang als Schulmeister tätig gewesen und die Unterweisung der Jugend, Regierung des Chores in der Kirche und Verrichtung alles desjenigen, was einem Schulmeister gebührt fleißig verwaltet habe, sich auch sonst für seine gewesene Zeit allhier ehrlich und redlich gehalten habe. Er wäre also von hier unklagbar abgeschieden, anders und gegenteiliges wäre ihnen nit Kunde noch Wissens geworden".

Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1648) war ein Johann Unfalt Lehrer in Bruck. Von ihm wird berichtet, dass er neben dieser Tätigkeit auch noch Richter in Nannhofen und Gerichtsprokurator in Bruck war; also ein vorgebildeter Mann.

Auch wenn nicht alle Eltern ihre Kinder zur Schule schickten hatte der Lehrer an der Marktschule in der Regel an die fünfzig Kinder zu unterrichten, gab ihnen täglich Musikunterricht in - wie im Visitationsprotokoll eigens vermerkt wird - nicht lutherischen Psalmen.

Die Brucker Schulmeister erbrachten neben dem eigentlichen Unterricht noch andere Leistungen: Immer wieder wanderten sie mit einigen Schülern ins Kloster, um ein Schauspiel aufzuführen, was für den Konvent eine willkommene Abwechslung war. Eine besondere Rolle fiel dem Schulmeister auch in den Bemühungen um die Katholische Reform zu. In der Hofmarksordnung von 1600 wurde er verpflichtet, bei jeder stattfindenden Prozession mitzugehen; außerdem war auch an seine Adresse die Mahnung gerichtet, den jungen Leuten statt der 'Schanndtlider' "die geistliche gesang und ruef" beizubringen.

Der erste in Klosterurkunden erwähnte Schulmeister bezog einen Teil seiner Einkünfte aus dem Kloster. Einen anderen Teil mussten die Eltern der Schulkinder erlegen, auch die Gemeinde hatte sich daran zu beteiligen.

1560 erhielt der Lehrer an der Marktschule in Bruck vom Kloster 8 fl und von der Pfarrei 6 fl als Sold. Diese Summe blieb über lange Jahre hinweg konstant. Dazu kam später das 'Reichnis', dreimal wöchentlich am Herrentisch im Kloster speisen zu dürfen.

Vergleichsweise kam der Klosterrichter nur auf 10 fl. Grundsold, hatte aber weitere garantierte Einnahmen. Der Klosterschreiber bekam ein Jahresgehalt von 20 fl, der Organist 23 fl.[18]

Wie schon erwähnt liegt aus dem Jahre 1589 ein Leibgedingsbrief für den ehemaligen Schulmeister von Bruck, Johannes Ertl, vor, dem das Kloster im Alter eine Pension, eine Konventpfründe, bewilligt hatte. Essen, Trinken, ein Zimmer, eine Kammer sowie das Brennholz hatte er kostenlos. Nur dürfe er bei dem gewöhnlichen Schlaftrunk des Konvents nichts zu suchen haben, noch sich darunter mischen.

In einer Funktionsanweisung für den Pfarrer zu Bruck heißt es: "Item ein Pfarrherr muß auch zu Gast haben beide Capläne, den Schulmeister und den Mößner
     in festo Nativitas Dmi
     Epiphania
     Purificationis Mariae
     Resurrectionis Christi
et penticostes in commemoratione Annimarum
auch die zwei Kürchenpröbst, sonst niemand".[19]

Alle diese Einkünfte reichten aber nicht aus, um dem Lehrer ein ausreichendes Einkommen zu sichern, er übernahm daher - gegen entsprechendes Entgelt - auch den Posten des Gemeindeschreibers und des Organisten.

Die Lehrer mussten auch bei Begräbnissen den Kinderchor dirigieren, bei Hochzeiten dienten sie als Hochzeitslader, und für viele der Einwohner, die nicht lesen und schreiben konnten, setzten sie Gesuche und Schriftsätze an den Richter oder den Grundherrn auf. Mit den Einkünften aus diesen zahlreichen Nebenbeschäftigungen gewann der Schulmeister dann doch ein höheres Einkommen und zählte zu den Honoratioren des Marktes Bruck. Auch besaß er meistens einen Krautgarten sowie Wiesen und Ackerstücke. Seine Kollegen auf dem Lande hatten es nicht so gut. Sie besaßen wenig Achtung bei den Dorfbewohnern und hatten kaum ihren notwendigsten. Lebensunterhalt, und zwar um so mehr, als das Schulgeld von den Eltern mit großer Verzögerung und ungern bezahlt wurde. Dazu kam noch ihre schlechte Unterbringung, und das Klassenzimmer, gewöhnlich nur ein einziger Raum, war bis zum Bersten überfüllt.

Altes Schulgebäude im Markt Bruck

Wo genau die erstgenannten Lehrer in Bruck ihre Schüler unterrichteten ist noch unbekannt. Aus alten Unterlagen wissen wir, dass der Brucker Schulmeister ein eigenes, wenn auch nur kleines Wohnhaus besaß. Daran schloss sich das Schulgebäude an, das von Beginn an zwei Klassenzimmer gehabt haben soll. Es sei in der Nähe der Pfarrkirche gelegen. Die Kosten für die Erhaltung der Schule waren im Ausgabeetat der Marktgemeinde festgelegt, die entstandenen Aufwendungen erscheinen jährlich unter den Ausgaben der Gemeinde. So wurde 1639 das Schulhaus ausgebessert, kleinere Reparaturen folgten 1641, 1645, 1646 und 1647.[20] 1652 reparierte die Gemeinde Bruck erneut das Schulhaus.[21]
Altes Schulhaus Das erste gemeindliche Schulhaus, dessen Lage wir kennen, lag ganz am Friedhof. Es war ursprünglich das Wohnhaus des Tagmessers oder Gesellenpriesters.[22] Dann erwarb es der Bierbrauer Johann Hafner, der es am 1. Juli 1676 an die Gemeinde verkaufte. Diese verwendete es als Schulhaus (heute steht an dessen Stelle das Pfarrheim St. Magdalena, Pruggmayrstraße 8).

Die Hälfte aller Kosten für den Schulbetrieb musste übrigens von der Kirche erlegt werden. Sogar für die Beschaffung von Lehrmaterial wurden jährlich nicht unbedeutende Summen aufgewendet. Aus den laufenden Gemeinderechnungen kann man ersehen, dass Tische, Bänke, Stühle, Öfen und Lehrmittel vorhanden waren.











[1] Eberhard Graf von Fugger, Kloster Fürstenfeld, eine Wittelsbacher Stiftung und deren Schicksale von 1258 1803. München 2 Auflage 1885, S. 9

[2] Vertrag über die Anstellung eines Lehrers für Inchenhofen. KL Fürstenfeld, 204 1/2.

[3] BHStAM. KL Fürstenfeld 330 1/3.

[4] Röckl, Karl Adam: Beschreibung von Fürstenfeld, zuerst den Bewohnern von Bruck, dann jedem Freunde der Kunst, der Geschichte, der Religion und des Vaterlandes in Liebe zugeeignet. München 1840, S. 45.

[5] Röckl, Karl Adam, a.a.O., S. 43.

[6] Führer, Gerard: Chronicon Fürstenfeldense. Von Entstehung dieses Klosters an, bis zu seiner Auflösung im Jahre 1802. Fürstenfeldbruck o.J. (1803/4 - 1817) -BStB, Cgm 3920-, S. 234.

[7] Schröder, Eugen: Erziehung und Unterricht im Mittelalter. Paderborn 1965, S. 94 ff.

[8] Eberhard Graf von Fugger, a.a.O., S. 84.

[9] Eberhard Graf von Fugger, a.a.O., S. 85

[10] Groß, Jakob: Chronik von Fürstenfeldbruck. Fürstenfeldbruck 1877, S. 134 und Held Heinrich: Altbayerische Volkserziehung und Volksschule Bd. II, S. 411.

[11] BHStAM. KU Fürstenfeld 1472 April 27.

[12] Groß, a.a.O., S. 284.

[13] Clemens Böhne, Chronik von Fürstenfeldbruck, S. 113; maschinenschriftliches Manuskript im Stadtarchiv Fürstenfeldbruck

[14] Held, Heinrich, a.a.O., S. 413

[15] Josef Scheidl, Schule, Bildung und Bildungsnotstand im mittelalterlichen Amperland, Amperland 3. Jahrgang (1967), S. 51.

[16] Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, S. 341. Münchner theologische Studien: 1. Historische Abteilung; Bd. 26. St. Ottilien: EOS Verlag, 1986

[17] Hofmarks- oder Polizeiordnung für Bruck, verfasst vom Klosterrichter Hanns Mayr von Vierkirchen im Auftrag des Abtes Johann VI. Puel von Fürstenfeld (1599 oder 1600). Wilhelm Liebhart: Die Hofmarks- oder Polizeiordnung für den Markt Bruck von 1600.
In: Amperland 42 (2006) 230 - 236.

[18] Wolfgang Lehner, Die Zisterzienserabtei Fürstenfeld in der Reformationszeit 1496-1623, S. 278 f. Weißenhorn: Konrad 2001.

[19] Matrikelbuch der Pfarrei St. Magdalena von 1600. Archiv der Erzdiözese München Freising.

[20] Groß, a.a.O., S 160

[21] Eberhard Graf von Fugger. a.a.O., Seite 104.

[22] Tagmesser waren Priester die täglich eine Messe lasen, nicht aber den Sonntagsgottesdienst, der war dem Pfarrer vorbehalten, Gesellenpriester wurden die Kapläne genannt.


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