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Zur Eröffnung des Heimatmuseums Bruck vor 100 Jahren

von Robert Weinzierl


'Geschwindigkeiten sind mitnichten nur bloße Hexerei Geschichten ...'

Der Reim, mit dem vor 60 Jahren der Brucker Pfarrer die schnelle Planung und Errichtung des Jugendheimes von St. Magdalena in seiner "Brucker Welt'gschicht" lobte, fällt einem spontan ein, wenn man sich mit der Einrichtung des ersten Brucker Heimatmuseums beschäftigt.

Gründung des Heimatmuseums

Der am 8. November 1903 gegründete Historische Verein für den Bezirk Bruck, hatte sich in seiner Satzung die Errichtung eines Museums als Ziel gesetzt. Dafür sollten Altertümer wie Münzen, Abbildungen, Bücher und dergleichen gesammelt werden. Bereits nach knapp einem Jahr hatte er dieses Ziel schon erreicht; am 11. September 1904 konnte das Bezirksmuseum Fürstenfeldbruck eröffnet werden. Unwillkürlich fragt man sich, wie war das zu schaffen? Zuerst sind hier die drei wichtigsten Initiatoren zu nennen: August Aumiller, der spätere Hofkaplan von Fürstenfeld, Gotthard Kraus, der Oberrealienlehrer an der königlichen Unteroffiziersschule Fürstenfeld und Sebastian Steiner, der Kirchenmaler von der Maisacher Straße. Drei von der Sache begeisterte Männer mit fundiertem Wissen und besten Beziehungen zur bestimmenden Gesellschaft im Markt Bruck. Ihnen gelang es im ganzen Bezirk Bürger als Vereinsmitglieder zu gewinnen, die in dieser Zeit Rang und Namen hatten. Der Brucker Bürgermeister und Vorsteher des Magistrats Kaufmann Georg Sinzinger war Vereinsvorsitzender, der Vorsitzende des dem Magistrat übergeordneten Collegiums der Gemeindebevollmächtigten Mühlenbesitzer Anton Aumiller sein Stellvertreter. Landrat Schuster, der Gutsbesitzer von Pfaffing, und weitere namhafte Persönlichkeiten gehörten dem Vereinsvorstand als Beisitzer an. Bei dieser Mitgliederstruktur ist es nicht verwunderlich, dass dem Historischen Verein spontan für die Einrichtung eines Heimatmuseum das Sudhaus der ehemaligen Niedermeier'schen Brauerei am Marktplatz (an der Stelle des heutigen Sparkassenbaues) unentgeltlich zur Verfügung gestellt wurde.
Dieses ehemalige Sudhaus befand sich zwar in einem sehr verwahrlosten Zustand, aber Bürgermeister Georg Sinzinger und Mühlenbesitzer Anton Aumiller, die beiden Vorsitzenden, stellten aus ihrem privaten Vermögen dem Verein die für damals beachtliche Summe von 2.000 Mark zur Finanzierung der Renovierung und der Einrichtung des Museums leihweise zu Verfügung. Ein Darlehen das zwar verzinst aber niemals zurückgezahlt wurde.

Einrichtung des Bezirksmuseums

Durch den Einzug einer hölzernen Zwischendecke, einer Empore mit Absicherung durch eine bemalte Emporenbrüstung aus der abgebrochenen Kirche von Olching und Einbau einer Holztreppe entstand in dem hohen Sudhaus eine stimmungsvolle Eingangshalle. Zu ihr gelangte der Besucher von der Kirchstraße her durch einen neu eingebauten Eingang. In dieser Eingangshalle empfing den Besucher eine hübsche Brucker Bürgertochter in Gestalt einer lebensgroßen Puppe, gekleidet in der ortsüblichen Tracht des 19. Jahrhunderts. Um sie herum Vitrinen und ein kostbarer Empireschrank mit schönen Trachten und kostbarem Trachtenschmuck. Dort präsentierte sich auch die gut sortierte Münzensammlung, ein Geschenk von Major a.D. Freiherr von Reichlin - Meldegg und 15 römische Kaisermünzen aus einem Fund bei Mühldorf
Unter der Empore lud eine Wohnstube mit originalen Einrichtungsgegenständen aus alter Zeit zum Besuche ein. Dort konnte sich der Besucher am eichenen Tisch in das mit Schweinsleder eingebundene Gästebuch eintragen. Dafür stand ein grün glasiertes Terrakotta Tintenzeug von 1582 bereit.
An diese Eingangshalle schlossen sich im Erdgeschoß zwei weitere Räume an. Einer war als Bauernstube und Schlafkammer eingerichtet, im anderen Raum präsentierten sich dem Besucher Eisen- und Steingegenstände aus der Vorgeschichte des Bezirks. In der an die Empore anschließenden ehemaligen Malzdarre war die Kapelle, mit dem schönen Rokokoaltar aus der ehemaligen Fürstenfelder Prälaturkapelle, dessen Bild "Beweinung Christi" aus der Hand des Hofmalers Christian Wink (1776) stammt.
Der Grundstock des Museums umfasste nach dem Jahresbericht des Historischen Vereins über 800 Gegenstände und etwa 1.000 Münzen. Er erweiterte sich in den folgenden Jahren beachtlich durch Schenkungen und Dauerleihgaben. Ankäufe waren dem Verein bei seiner bescheidenen Finanzausstattung kaum möglich. Dass in so kurzer Zeit ein so umfangreiches Sammelgut zusammenkam, war nicht zuletzt dem Sammeleifer der zahlreichen Pfarrer, Lehrer und historisch interessierten Bürger aus Markt und Bezirk (Landkreis) zu danken, die dem Historischen Verein beigetreten waren.
Das Museum mit seiner reichen und anschaulichen Sammlung fand nach zeitgenössischen Berichten weit über den Bezirk Bruck hinaus großes Interesse. Selbst König Ludwig III beehrte das Heimatmuseum Bruck durch seinen Besuch als er am 20. Juli 1914 die Kunstausstellung in Bruck besuchte.

FFB-heimatmuseum
FFB-Heimatmuseum

Eintrittspreise
für das Bezirksmuseum Bruck im Jahr 1904:
Erwachsene
30 Pfennige
Kinder und Militär vom Feldwebel abwärts
15 Pfennige.

Der Eingang zum Museum von der Kirchstraße
im Mauervorsprung des Sudhauses.
König Ludwig verlässt das Brucker Bezirksmuseum
und begibt sich zu seiner Staatskarosse
mit der königlichen Standarte

Blick von der Eingangshalle in das Rokokostübchen
Foto: Stadtarchiv Fürstenfeldbruck - Sammlung Sigi Späth

Schicksal des Bezirksmuseums

Im Jahr vor Beginn des Ersten Weltkrieges, erreichte das Heimatmuseum räumlich und inhaltlich seine größte Ausdehnung. Dann ging es bergab. In der Not der Kriegs- und Nachkriegszeit stand den Menschen nicht der Sinn nach einem Museum. Den Notleidenden zu helfen war wichtiger. So mussten die unteren Museumsräume für eine Suppenküche geräumt werden. Dort präsentierte Stein- und Eisengegenstände kamen auf den offenen Innenhof, der Rest ungeordnet in die oberen Räume. Unachtsamkeit ermöglichte einen Einbruch, bei dem die wertvollsten Stücke der reichen Münzsammlung gestohlen wurden. Ein Raum musste zu Gunsten der Sparkasse geräumt werden, aus einem weiteren wurde das Arrestlokal der Polizei. Nur mit Mühe gelang es, den oberen Saal zu behalten, worin man alle noch vorhandenen Exponate stapelte.
Mancher Leihgeber verlangte seine Gegenstände zurück und verkaufte sie. So kam der prächtige Empire - Schrank über einen Münchner Kunsthändler in eine Pariser Sammlung.
Erst 1925 gelang auf Initiative des Kirchenmalers Magnus Mohn und mit Hilfe des Landesamtes für Denkmalpflege wieder ein bescheidener Anfang. Durch das Entgegenkommen der Marktgemeinde Bruck konnten neben der Eingangshalle noch zwei weitere Räume ausgestaltet werden, darunter das reizvolle Rokokostübchen. Aber auch dieses bescheidene Museum hatte keinen langen Bestand. Beim Neubau des Verwaltungsgebäudes musste es weichen. Alle noch vorhandenen Gegenstände kamen in ein Depot im Haus der ehemaligen Irlbeck Gerberei an der Ledererstraße und litten dort in den folgenden Jahren sehr unter den gegebenen klimatischen Verhältnissen. Als 1946 ein Wirbelsturm das Dach abdeckte und Wasser bis zur Abbruchreife in das Haus eindrang, musste zur Lagerung der noch vorhandenen Exponate wiederum Platz in Speichern und Kellern städtischer Gebäude gesucht werden.
In den Fünfziger Jahren des Zwanzigsten Jahrhunderts erwachte der Historische Verein langsam wieder zum Leben. Der Vereinsvorstand unter Leitung von Wilhelm Bayerl, Kurat an der Klosterkirche Fürstenfeld, nahm sich mit großem Eifer den verbliebenen Exponaten des Bezirksmuseums an. Es gelang die restaurierten Gegenstände wieder im Saal des alten Rathauses der Öffentlichkeit zu präsentieren. Aber auch dieser Phase war nur kurze Zeit beschieden. Und als dann der 1903 gegründete Historische Verein für den Bezirk Fürstenfeldbruck mit dem Tod des letzten Vorsitzenden erlosch, erbte die Stadt Fürstenfeldbruck das Vereinsvermögen, bestehend aus dem verbliebenen Sammlungsgut des ehemaligen Bezirksmuseums.
Es wurde zum Grundstock für das heutige Stadtmuseum Fürstenfeldbruck.


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