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Priester, Antiquitätensammler und Heimatfreund

August Aumiller, der letzte Hofkaplan in Fürstenfeld
von Robert Weinzierl


Aumiller

Der Name August Aumiller ist untrennbar mit der Gründung des Historischen Vereins für den Bezirk Bruck (1903 - 1978) und der Einrichtung des Bezirksmuseums Bruck vor 110 Jahren verbunden. Er starb vor über 80 Jahren am 5. November 1929. An diesen Mann soll erinnert werden, der sich für seine Heimatgemeinde Fürstenfeldbruck so große Verdienste erworben hat.


Portrait des Pfarrers und Hofkaplans August Aumiller.



Herkunft und Beruf

Das Elternhaus von August Aumiller am Leonhardsplatz 2

August Aumiller wurde am 3. August 1868 in Fürstenfeldbruck geboren. Er entstammte einer Familie, deren Besitzgeschichte von Wildenroth über die Emmeringer Mühle zur Pullachmühle in Bruck führte. Sein Großvater wurde Bäcker und begann als Pächter der ehemaligen Klosterbäckerei in Fürstenfeld. Sein Vater heiratete 1859 die Tochter des Bäckermeisters Johann Nepomuk Meitinger an der Amperbrücke in Fürstenfeldbruck. Durch Fleiß und Sparsamkeit brachten es die Eltern zu ansehnlichem Vermögen. Sie konnten sich das Studium ihrer beiden jüngeren Söhne leisten. Diese kamen zunächst in das Internat von St. Stephan in Augsburg. Nach dem Abitur ging August ans Priesterseminar Freising und anschließend an das Georgianum in München. Am 29. Juni 1895 wurde er zum Priester geweiht. Nach kurzem Wirken in Anzing erhielt er die Stelle des dritten Stadtkaplans in Reichenhall. 5 Jahre später am 15.7.1900 wechselte er als Stadtkaplan an die Pfarrei St. Benno in München. 7 Jahre später wurde ihm auf seine Bewerbung die Pfarrei Unteralting übertragen, auf die er bereits 1 Jahr später freiwillig verzichtete (resignierte) um die Stelle des Hofkaplans an der Königlichen Landhofkirche Fürstenfeld zu übernehmen. Im Jahr 1924 wurde er aus Krankheitsgründen als Hofkaplan abberufen und betreute dann bis 1926 die Pfarrei Schöngeising.

Der Antiquitätensammler

Schon sehr früh erwachte in August Aumiller das Interesse für alte Kunst - Gegenstände und die Heimatgeschichte. Seit seiner Kaplanszeit in Reichenhall sammelte er alte Möbel. Nach seiner Berufung als Hofkaplan an die königliche Landhofkirche Fürstenfeld, die ehemalige Klosterkirche, erweiterte sich seine Sammelleidenschaft auf alle Kunstwerke und sonstige alte Gegenstände aus der Umgebung. Besonders interessierten ihn Gegenstände aus der ehemaligen Zisterzienserabtei Fürstenfeld und die Kunst des 18. Jahrhunderts. Als Priester galt sein Hauptaugenmerk den durch die Klosteraufhebungen heimatlos gewordenen Werken kirchlichen Ursprungs. Im Gegensatz zu seinen Zeitgenossen, welche die Kunstformen des Rokoko abscheulich fanden, erkannte Aumiller den dekorativen Reiz dieser Kunstwerke. Als Hofkaplan hatte Aumiller im ehemaligen Konventbau eine repräsentativ große Wohnung, es gab allein drei Schlafzimmer. Sie füllte er im Laufe der Zeit mit seinen Sammelobjekten. So wurde sie Museum und zuletzt ein überfülltes Museumsdepot. Diese Wohnung konnte er bis zu seinem Tode beibehalten. Zu diesem Zeitpunkt umfaßte die Sammlung über 2.000 Einzelstücke. Sie vermachte er zunächst der Marktgemeinde Fürstenfeldbruck, als diese aber das zu deren Unterbringung vorgesehene Haus anderweitig verwendete, fiel die Sammlung nach seiner testamentarischen Verfügung der Pensionskasse (Emeritenanstalt) für Geistliche der Erzdiözese München und Freising zu. Diese verwendete Einzelstücke zum Schmuck kirchlicher Räume. Was bei Einrichtung des Diözesanmuseums in Freising von der Sammlung Aumiller noch vorhanden war, ging in deren Bestand ein.

Der Heimatfreund

Schon in Reichenhall , dem Ort seiner ersten Kaplanstelle , gelang August Aumiller mit einigen Gleichgesinnten die Gründung eines Historischen Vereins, um die Mittel zur Einrichtung eines Lokalmuseums bei zu schaffen. Die reiche Sammlung an prähistorischen und römischen Funden konnte sehr gut im Nebengebäude einer größeren Villa präsentierte werden
Zeit seines Lebens fühlte er sich in seiner Heimatstadt Fürstenfeldbruck tief verwurzelt. Seine große Aufmerksamkeit galt ihrer Geschichte. Schon als Student schrieb er einen Führer durch Bruck und seine Umgebung, der 1894 im Druck erschien. 1916 folgte ein Wegweiser durch Kirche und Kloster Fürstenfeld. Auch in den Brucker Zeitungen seiner Zeit finden sich zahlreiche Beiträge mit seinem Signum "A.A." (August Aumiller). Sehr eindrucksvoll davon ist sein Beitrag mit dem Titel "Historisches Museum in Bruck?", veröffentlicht im Brucker Wochenblatt vom 10. Oktober 1903, worin er mit großer Begeisterung für die Errichtung eines Heimatmuseums in Bruck wirbt. Die handschriftliche Chronik des letzten Abtes (Vorstehers) von Fürstenfeld interessierte ihn so sehr, daß er sich viele Stunden in die Bayerische Staatsbibliothek setze und das dort aufbewahrte in gestochen wirkender Schrift abschrieb. Die Abschrift wird heute im Stadtarchiv Fürstenfeldbruck verwahrt und erspart dem Heimatforscher den Weg nach München.
Als treibende Kraft bei Gründung des Historischen Vereins für den Bezirk Bruck und der mit dieser Vereinsgründung angestrebten Errichtung eines Museums in Bruck stellte er dafür entsprechende Stücke zu dessen Ausstattung zur Verfügung. Wie alle anderen Objekte litten sie außerordentlich in den Wirren der Kriegs- und Nachkriegszeit des Ersten Weltkrieges. Soweit sie sich bei seinem Tode noch im Museum befanden, gingen sie ebenfalls in den Besitz der erzbischöflichen Emeritenanstalt.
Seine Sorge um die Bodendenkmäler aus der Frühzeit seiner Heimat bewog ihn wohl dazu, seine Eltern zu überreden, den Wald und die nordwestlich abfallende Wiese des Nikolausberges - der Burgstelle Gegenpoint - zu erwerben. Nach dem Tod des Vaters fiel sie ihm als Erbe zu. Um zu vermeiden, daß diese Burgstelle nicht zur Gewinnung von Sand oder anderen Materialien abgetragen werde, vermachte er den 15 Tagwerk großen Wald und die 3 Tagewerk große Wiese der katholischen Pfarrkirchenstiftung St. Magdalena Fürstenfeldbruck.
Seine ganz große Liebe galt der neben seinem Elternhaus stehenden St. Leonhardkirche. Vater Ludwig und Onkel Anton, der Mühlenbesitzer, stifteten zu seiner Priesterweihe 1895 zwei neue Glocken in diese Kirche. 1901 beteiligte sich die Familie an der Finanzierung neuer Glasfenster. Anläßlich seines silbernen Priesterjubiläums im Jahr 1920 übergab August Aumiller der Marktgemeinde Bruck 1.000 Mark zum Ersatz einer der im Ersten Weltkrieg abgenommenen zwei Glocken. Noch in seinem Todesjahr 1929 stiftete er eine dritte Glocke dazu und schenkte der Kirche eine spätgotische Marienfigur. So war es selbstverständlich, daß Pfarrer und Hofkaplan August Aumiller nach seinem Tod im Elternhaus am Leonhardsplatz Nr. 2 seinem Wunsch entsprechend in der von ihm so sehr geliebten St. Leonhardkirche aufgebahrt wurde, bis er seinen letzten Gang auf den Brucker Friedhof neben der Kirche antrat, auf dem ihn eine nahezu unübersehbare Zahl von Freunden, Kollegen und Mitbürgern begleiteten. Im dortigen Familiengrab fand er seine letzte Ruhestätte.


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