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Bier und Bierbrauereien im alten Bruck

Von Robert Weinzierl

Vom Wein zum Bier
Der Wirtssohn Johannes Turmair aus Abensberg, genannt Aventinus, schreibt 1520 in seiner 'Baierischen Chronik':
"Der gemaine Mann sitzt Tag und Nacht bei dem Wein, schreit, singt, tanzt, kart, spielt..."
Vom Bier schreibt er nichts. Das ist auch kein Wunder, denn bis zu seiner Zeit war das Bier noch schlecht und diente nur den armen Leuten als Getränk. Deshalb finden wir die ältesten nachweisbaren Braugerechtigkeiten (Braurechte) bei Heilig - Geist - Spitälern. Die gewöhnlichen Wirte waren Weingastgeber und bezogen ihre Weine aus dem altbayerischen Weinanbaugebiet an den Donauabhängen von Regensburg bis in die Wachau. Auch im übrigen Land, z. B. in unserem Landkreis, finden sich Weingärten, wie uns ein Blick auf die 1563 vollendeten Landtafeln Bayerns von Philipp Apian zeigt. Den Weinanbau hatten unsere Vorfahren von den Römern gelernt, die auch in den fernen, von ihnen eroberten und besetzten Ländern auf ihr Lieblingsgetränk nicht verzichten wollten. Soweit der im Lande erzeugte Wein nicht ausreichte, bezog man ihn aus dem benachbarten Ausland, von Österreich, Ungarn, Italien und Württemberg. Die Klöster mit ihrem größeren Weinbedarf für Gäste, Mitarbeiter und Mönche strebten nach eigenen Weinbergen, dies vor allem in Südtirol, aber auch in der Wachau (Niederaltaich) und Württemberg (Fürstenfeld). Eine Klimaveränderung im 17. Jahrhundert brachte das Ende für den Weinanbau in Altbayern. Häufige und frühe Nachtfröste machten den Reben den Garaus. Man war mehr und mehr auf den Importwein angewiesen, dessen Preis immer höher wurde. Sein Transport erforderte wegen der kriegerischen Auseinandersetzungen einen hohen Kostenaufwand und war sehr risikobehaftet. Umherziehende Söldnerhaufen machten die Straßen unsicher und fügten den Kaufleuten hohe Verluste zu. So musste man zwangsläufig auch in der höheren Gesellschaft auf das bisher nur von den Armen getrunkene Bier zurückgreifen. Da bayerisches Bier nicht besonders gut war, vor allem aber für den Bedarf des herzoglichen Hofes nicht ausreichte, holte man es aus dem Norden. Bier wurde, wie ein schwedischer Bischof 1502 schrieb, nach Norden immer besser. Bei einer Hochzeitsfeier am bayerischen Herzogshof im 16. Jahrhundert kam das Bier aus dem niedersächsischen Einbeck. Um den Transport zu überstehen war es besonders stark eingesotten und hatte daher einen hohen Alkoholgehalt. Die Bezeichnung "Ainpöckisches" Bier wandelte sich nach und nach in Ainpockbier und schließlich in Bockbier. Der Bierimport ging ins Geld und so beschloss der bayerische Herzog selbst ein Brauhaus zu bauen, das ainpöckisches Bier brauen sollte. So entstand das Hofbräuhaus am Platzl in München. Damit begann der Siegeszug des bayerischen Bieres.

Der Weg zum Nationalgetränk
Jetzt, da auch die "Herren" zum Bierkrug griffen, bemühte man sich um eine Qualitätsverbesserung. Schon früh begann das Bemühen, Bierfälschungen zu unterbinden und die Bestandteile des Bieres von unnützen oder schädlichen Beimischungen (Gewürzen, Kräutern, Salz, Asche, Pech usw.) freizuhalten. Unter dem Einfluss niederbayerischer Brauordnungen erließ der Rat der Stadt München schon 1487 ein Gebot, zum Brauen des Bieres nur Wasser, Gerste und Hopfen zu verwenden. Nach der Wiedervereinigung der ober- und niederbayerischen Teilherzogtümer im verlustreichen "Bayerischen Erbfolgekrieg" erlangte dieses Reinheitsgebot im Bayerischen Landrecht 1516 gesetzlichen Charakter. Herzog Wilhelm IV. schuf damit in seinem Herzogtum Bayern das erste Lebensmittelgesetz der Welt, das zudem bis zum heutigen Tag Bestand hat.
Bier besteht zu mehr als 80 % aus Wasser. Dessen Qualität ist entscheidend für die Qualität und den Geschmack des Bieres. Wasser aus den Marktbrunnen von Bruck war zum Bierbrauen ungeeignet. Fast jedes Anwesen im Markt hatte seine Dungstätte (Misthaufen) vor dem Haus und so mancher Gülletropfen fand den Weg in das Grundwasser und beeinflusste seinen Geschmack. So waren die Brauer gezwungen erstklassige Quellen aufzuspüren und das Wasser daraus über lange Leitungen in ihr Sudhaus zu leiten. Die Brucker Brauer erschlossen gemeinsam die Quellen beim Weiherhaus und bauten aus Holzrohren (Deicheln) eine Wasserleitung bis in den Markt. Der Steg, über den die Deicheln der Wasserleitung die Amper überquerten, war ihr Eigentum. Erst 1879 wurde er für Fußgänger geöffnet und heißt heute noch Deichensteg (zutreffender wäre "Deichelnsteg").
Neben dem Wasser ist der wichtigste Grundstoff des Bieres die Gerste. Sie wird zu Malz verarbeitet, das dann Gehalt und Aroma des Bieres bestimmt. Gerste ist ein Naturprodukt, dessen Entwicklung von vielen Faktoren beeinflusst wird (z.B. Bodenverhältnisse, Wetterlage). Deshalb entscheidet der Sachverstand des Brauers beim Einkauf der Gerste über die spätere Qualität des Bieres. Wer die falsche Gerste wählt, kann den Ruf seines Bieres gefährden, denn eine nachträgliche Geschmackskorrektur ist in Deutschland wegen des geltenden bayerischen Reinheitsgebots von 1516 nicht erlaubt. Die Brucker Brauer hatten aus diesem Grund engen Kontakt mit den Bauern, von denen sie ihre Braugerste bezogen, und hatten sicher bei Anbau und Ernte ein gewichtiges Wort mitzureden.
Von der Hopfenpflanze braucht man zum Biersieden nur die unbefruchteten weiblichen Blütenstände. Daran sind Lupulin-Körner, kleine klebrige Drüsen, die ein Sekret mit den wichtigsten Bestandteilen enthalten: den Hopfenölen, den Bitter- und den Gerbstoffen. Dieses Lupulin gibt dem Bier das feine, leicht bittere Aroma, erhöht seine Haltbarkeit und stabilisiert seinen Schaum. Der Hopfenanbau war in früheren Jahrhunderten weit verbreitet. So baute man auch in unserer Gegend Hopfen und so mancher Brucker Brauer hatte seinen eigenen Hopfengarten. Erst spät konzentrierte sich der Hopfenanbau auf bestimmte Gebiete, deren Bodenbeschaffenheit dafür besonders geeignet war.
Zur Gärung beim Brauvorgang ist eine bestimmte, in der Hefe enthaltene Pilzart erforderlich. Aber nur ein bestimmter Pilz, alle anderen Pilzarten machen das Bier sauer. Und weil sich diese schon bei geringer Temperaturerhöhung vermehren, durfte noch bis vor etwa 150 Jahren nach einer Verordnung von 1553 nur vom St.-Michaels-Tag (29. September) bis zum St.-Georgs-Tag (23. April) gebraut werden. Erst durch wissenschaftliche Entdeckungen gelang es reine Hefe herzustellen. Trotzdem aber musste Bier weiterhin bei einer Temperatur von etwa sieben bis acht Grad Celsius gelagert werden, um genießbar zu bleiben. Dazu schuf man große Bierkeller, in die im Winter Eis eingelagert worden ist. Es hieß: "Mit Eis stopf deine Keller voll, wenn dir dein Bier gelingen soll". Das galt auch für die Brucker Brauer. Jeder hatte seinen Bierkeller (siehe Hinweise bei den einzelnen Brauereien). Das Eis gewann man aus zugefrorenen Weihern (Marthabräuweiher) oder vom Eisgalgen. Das waren etwa acht bis zehn Meter lange und fünf Meter hohe, im Spätherbst aufgebaute Holzgerüste. Sank die Temperatur im Winter um einige Grad unter den Gefrierpunkt wurde der Galgen über eine Wasserleitung berieselt, so dass sich an den Holzbalken Eiszapfen bildeten und stetig weiterwuchsen. Waren sie groß genug wurden sie abgeschlagen und in den Eiskeller verfrachtet. Dieser war mit dem Bierlager durch große Öffnungen verbunden, damit sich die Kälte verbreiten konnte.

Die Bindung der Wirte an eine bestimmte Brauerei (Bierzwang) endete 1799. Nun konnte jeder Wirt seinen Bierlieferanten selbst wählen. Den Brauereien wurde zum Ausgleich des Wegfalls ihrer festen Absatzstellen geduldet, selbst Bier auszuschenken. Sie pflanzten bei ihren Bierkellern schattige Bäume, in der Regel Kastanien. Darunter stellten sie Tische und Bänke auf und boten zu günstigen Preisen ihr "Lagerbier" an. Nur Speisen durften sie nicht verabreichen, so brachten eben die Gäste ihre Brotzeit selber mit. An warmen Wochenenden wanderten ganze Scharen von durstigen und hungrigen Menschen hinaus zum Biergarten. Sie wurden auch für die Brucker zum geselligen Treffpunkt aller Gesellschaftsschichten. Durch königliches Reskript von 1812 erhielten die bisher nur geduldeten Biergärten eine Rechtsgrundlage.

Eisgalgen beim Martha Bräu Keller

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Braustätten im Markt Bruck

Sicher begannen die Fürstenfelder Mönche schon sehr früh mit dem Bierbrauen. Für sie war Bier wegen seines hohen Nährwertes auch Nahrungsmittel, vor allem in der Fastenzeit. Das heißt aber nicht, dass man sich in dieser "enthaltsamen Zeit" sinnlos betrank, wozu heute das Starkbier nicht selten verführt. In der Fastenzeit verzichteten die Mönche auf den Verzehr von Fleisch warmblütiger Tiere und beschränkten sich auch bei der festen Nahrung. Zum Ausgleich tranken sie in Maßen kräftig eingesottenes Bier. Auch von der ärmeren Bevölkerung ist bekannt, dass ihnen ein kräftiger Schluck Bier zu einem Stück trockenem Brot als Abendmahlzeit diente.
Über den Beginn des gewerblichen Bierbrauens im Markt schweigen die Quellen. Aus späteren Unterlagen wissen wir, dass die Brucker Gasthäuser (Tavernen) nur Wein ausschenken durften. Bierausschank war nur den Brauern in ihrer eigenen Gaststube erlaubt, man nannte dies das Zapfrecht. Das Schankrecht des Klosters beschränkte sich auf den Ausschank von Bier an die Klosterinsassen, das Dienstpersonal und Gäste. Im Markt durfte es bis zu seiner Aufhebung 1803 kein Bier verkaufen. Über die Einhaltung dieser Beschränkung wachten die Brucker Brauer mit Argusaugen.
Wo lagen nun die großen und traditionsreichen Braustätten in Bruck?


Hazibräu oder auch Roßbüchlbräu

Das Brauhaus stand unmittelbar rechts vom Zwerchhaus (heute Rathaus). Auf der Westseite des Brauhauses, unter dem heutigen Rathaus-Anbau, ist später der Bierkeller angelegt worden. Den Namen Hazibräu erhielt die Braustatt vom Besitzer Hans Hazi und seiner Frau Elisabeth (1675 - 1693). Roßbüchl war der Flurname für das Areal nordöstlich des Marktplatzes, wohl eine Pferdeweide, an der sich auch der Hufschmied Kachelriß angesiedelt hatte.
Die Besitzer von Brauerei und Gaststätte sind seit 1580 lückenlos in der Dirnagl'schen Häuserchronik von Bruck aufgelistet. Bei der Brandschatzung des Marktes 1704 durch österreichische Truppen (Spanischer Erbfolgekrieg) brannte auch dieses Anwesen vollständig nieder. Der Besitzer Martin Völckl verkaufte die Brandstatt an Jakob Mözger, den Besitzer des Metzgerbräu (Marktplatz 8 - heute Sparkasse), der die Braustätte wieder aufbaute. Der aus Ampfing nach Bruck zugezogene Martin Pruggmayr heiratete die einzige Tochter des Jakob Mötzger (Metzger) und erhielt 1712 das Bürgerrecht im Markt Bruck. Im gleichen Jahr übernahm er vom Schwiegervater den Hazibräu (Roßbüchlbrau) und auch den Metzgerbräu. Bis 1833 blieben beide Braustätten im Besitz der Familie Pruggmayr, die sich auch Pruggmaier schrieb. Der letzte Brauer aus dieser Familie verkaufte 1833 seinen gesamten Besitz an den Mammendorfer Tafernwirt Johann Seel, der den Hazibräu im gleichen Jahr an den Staat für einen rentamtlichen Getreidestadel. Da dieser aber an der Dachauer Straße einen neuen Getreidestadel erbaute (später Feuerwehrhaus) wurde das Anwesen 1844 an Josef Seitz, den Besitzer des Metzgerbräuanwesen (Marktplatz 8) verkauft. Dieser behielt nur den Keller und verkaufte im gleichen Jahr die Brauereigebäude und die Gastwirtschaft an Augustin Treutterer. Der baute in den Jahren 1849 und 1850 an Stelle der Brauerei (Marktplatz 33) ein Gasthaus und richtete in dem nördlich anschließenden Gebäude (Augsburger Straße 2) die Brauerei ein.

Nach nur kurzer Zeit stellte Treutterer den Brauereibetrieb ein und wandelte das Brauereigebäude in ein Wohnhaus um. Damit endete die jahrhundertelange Brautradition auf diesem Anwesen. Treutterer unterschätzte die Bau-. und Umbaukosten und geriet auf die Gant (Konkurs). Die Gastwirtschaft blieb erhalten und wechselte in der Folgezeit häufig den Besitzer. Ältere kennen sie noch als den "Hirschwirt".

Gastwirtschaft "Zum Hirschwirt"
mit anschließendem Wohn- und Geschäftshaus -
ehemals Hazibräu/Roßbüchlbräu

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Marthabräu
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    Gastwirtschaft und Brauerei am
    Marktplatz (2. Hälfte des 19. Jh.)

An Stelle des heutigen Hauses standen ursprünglich drei Anwesen: die Marthabrauerei, die Maulsche Bäckerei und das Buchbinderhaus. Schon 1623 kam das Bäckerhaus zur Brauerei, das Buchbinderhaus erst 1843. Auf dem Anwesen der Brauerei saßen seit Beginn der Aufzeichnungen in der Dirnagl'schen Häuserchronik von Bruck Brauer als Besitzer. Zwei von ihnen trugen den Vornamen Martin. Nach der Überlieferung nannte man die Brauerei dem Martin oder Marthe seine Brauerei, daraus wurde der Name Marthabräu. 1626 erhielt der Besitzer Michael Metz vom Kloster Fürstenfeld die Erlaubnis, die Einfahrt zu überbauen und an das Klosterrichterhaus (Marktplatz 9) anbauen zu dürfen. 1835 stirbt der Besitzer Peter Loder. Seine Witwe heiratete nach Ablauf des Trauerjahres den Heinrich Mayr aus Pfarrkirchen. Mit Energie und Weitblick baute er die Brauerei zu einem ansehnlichen Unternehmen aus.


Er modernisierte das Sudhaus, erwarb den Konkurrenten "Jungbräu" (Marktplatz 10) samt dem zugehörigen Keller (Marktplatz 25), erbaute darauf einen Saalbau und richtete im kleinen Haus am Marktplatz eine Gastwirtschaft ein., Die Brauerei des Jungbräu stellte er ein und verkaufte das Anwesen. 1840 erbaute er weit außerhalb des Marktes, an der Augsburger Straße einen Bierkeller.



Marthabräu-Keller

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Nach seinem Tod 1844 heiratete seine Witwe den Brauer Anton Bergmeier, der den Betrieb weiterführte. Bergmeister ließ 1848 das fünf Jahre vorher erworbene Buchbinderhaus abbrechen, den Brauereigasthof nach Norden erweitern und das ganze Gebäude um ein Stockwerk vergrößern. 1860 brach in der Brauerei ein Brand aus, der auf das Gebäude am Marktplatz übergriff und das obere Stockwerk völlig zerstörte. Der Brandschaden konnte aber im gleichen Jahr wieder behoben werden. 1866 übernahm sein Stiefsohn Heinrich Mayr das Anwesen. Nach seinem Tod 1912 führte seine Witwe und nach deren Tod die unverheiratete gebliebene Tochter Julie den Betrieb weiter. Julie Mayr war eine große Wohltäterin und wurde anlässlich ihres 90. Geburtstages als bisher einzige Frau Ehrenbürgerin der Stadt Fürstenfeldbruck. Ein Jahr später verstarb sie und übertrug ihren gesamten Besitz einer Stiftung. Diese führte die Brauerei noch einige Jahre weiter, bis seine königliche Hoheit Prinz Luitpold von Kaltenberg einstieg. An Stelle der abgebrochenen Wirtschaftsgebäude beim Martha Bräu Keller entstand nun eine moderne Brauerei. So blieb der Jahrhunderte alte Marthabräu als einzige Brucker Brauerei bis in unsere Zeit erhalten.


Bichlerbräu

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Seit Beginn der Aufzeichnungen in der Dirnagl'schen Häuserchronik von Bruck waren Bierbrauer (Pröy, Pierpreu, Brauer) Besitzer des Anwesens am Marktplatz (heute Hauptstraße 14).Das Brauhaus brannte 1704 nieder, ebenso das nördlich angrenzende Metzgerhaus. Beim anschließenden Wiederaufbau wurden beide Grundstücke vereinigt und ein zweigiebeliges Haus darauf errichtet.
Auf dem südlichen Giebeldach war ein runder Holzturm, von dem aus Brucker Militärmusiker zu bestimmten Anlässen, wie z. B. Sylvester, ihre Serenaden spielten. Seinen heute noch bei älteren Bruckern geläufigen Namen erhielt die Braustätte vom letzten Brauer Josef Bichler, der 1866 aus Mauern bei Grafrath kam und das Anwesen erwarb. Er kaufte 1874 bei der Zertrümmerung des Metzgerbräu (Marktplatz 8) dessen Bierkeller auf dem Roßbüchl und baute ihn großzügig aus.

 Bichlerbräu -
 das zweigiebelige Haus kurz vor dem Abbruch 1935

Nach seinem Tod im Jahr 1901 führte seine Witwe mit den Kindern den Betrieb weiter, stellte ihn aber bereits 1909 ein und verkaufte das Anwesen an einen Bauern. 1913 erwarb die Brauerei Maisach das Anwesen und führte die Gastwirtschaft unter dem Namen "zum Bichlerbräu weiter. 1935 wurden beide Häuser abgebrochen und das heute noch stehende ein gieblige Haus errichtet. 1945 beschlagnahmte die amerikanische Militärbehörde die Gastwirtschaft und brachte dort Displaced Persons unter.
Am 1. Dezember 1947 begann im Erdgeschoß und ersten Stockwerk die Nebenstelle der Oberrealschule München-Pasing. Damit endete die mühevolle und gefahrenträchtige Zeit der Brucker "Fahrschüler" zu Münchner höheren Lehranstalten. Nach Umzug der Schule in das alte Knabenschulhaus am Schulweg eröffnete die Gaststätte für einige Jahre wieder ihre Pforten, bis mit deren Ende die ursprüngliche Zweckbestimmung des Anwesens endete. Nur das alte Aushängeschild erinnert noch heute daran, dass in Bruck einst Fuhrleute mit ihren mehrspännigen Plachen Wagen Rast machten.



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Der Bichlerkeller,  
Augsburger Straße Nr. 5  


Kratzerbräu, später Jungbräu

Das Brauereianwesen erstreckte sich vom Marktplatz-nördlich entlang der Kirchstraße bis vor das letzte Haus an dieser Straße. Ursprünglich stand an der Ecke beim Marktplatz ein Bäckeranwesen, daran schloss sich die Brauerei an und dann kam noch ein Schneideranwesen.1655 konnte der Brauer das Bäckeranwesen erwerben und bereits 1640 das Schneiderhaus. In der Dirnagl'schen Häuserchronik von Bruck sind die Besitzer dieser drei Anwesen seit 1590 lückenlos aufgelistet. Wie die übrigen Anwesen des Marktes brannte auch dieses 1704 bei der Brandschatzung durch die österreichischen Truppen restlos nieder und konnte erst nach 1706 wieder aufgebaut werden. 1772 übernahm Michael Kratzer die Brauerei, von ihm stammt der Name "Kratzerbräu". Tochter Ursula Kratzer heiratete 1812 Mathias Kaufmann, Angehöriger einer alteingesessenen Bürgersfamilie in Bruck. deren Sohn Mathias verkaufte sie 1871 an den Besitzer des Marthabräu, Heinrich Mayr, der den Brauereibetrieb einstellte. Das Gasthaus erwarb Josef Greif.
Unter seinem Sohn entstand am 18. Mai 1927 durch einen Brand großer Sachschaden. Zündelnde Kinder hatten im anschließenden Stall ein Feuer entfacht, das rasch auf das Gasthaus übergriff. Dachstuhl und 1. Stock fielen den Flammen zum Opfer.

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Gasthaus Greif im Jahr 1915 mit Prozession
der Rosenkranzbruderschaft.

Gasthaus Greif nach dem Brand
am 18. Mai 1927

Gasthaus Jungbräukeller, dahinter
der Saal über dem Bierkeller des
ehemaligen Jungbräu

Das kinderlose Ehepaar Greif hatte nicht mehr die Kraft zum Wiederaufbau. Sie verkauften die Brandstätte an den aus Jesenwang stammenden Leonhard Drexler, Pächter des "Fürstenfelder Hofes" in der Schöngeisinger Straße, der beim Wiederaufbau das Haus um ein zweites Stockwerk erhöhte. Der zur Brauerei gehörende Bierkeller war am oberen Marktplatz. Heinrich Mayr, Besitzer des Marthabräus, errichtete über dem Keller einen großen Saal und verband diesen durch einen Mittelbau mit dem 1874 erworbenen Vorderhaus, worin er eine Gaststätte einrichtete.
An der Ecke zur Kirchstraße erinnert heute noch ein Aushänger mit einem Storch. Der Überlieferung nach sollten dort vermögende Bürger nach der Taufe eines Kindes den Taufschmaus abgehalten haben, wofür die Bezeichnung "zum Storchenwirt" aufgekommen sei.


Kaßerlbräu - Humplbräu - Metzgerbräu

Auf dem Areal der Sparkasse am Marktplatz standen ursprünglich zwei Brauereien. Die Humplbräustatt, auch Kaßerlbräu genannt, war das Eckanwesen von Marktplatz und Kirchstraße. An deren Südseite schloss sich der Metzgerbräu an.
Die Besitzer des Humplbräu listet Dirnagl in seiner Häuserchronik von Bruck seit 1580 auf, ab 1640 bis 1704 war es die namengebende Familie Humpl. In diesem Jahr brannte auch sie, wie alle übrigen Anwesen am Marktplatz, nieder. Die Brandstatt erwarb Peter Kaßerl und baute die Brauerei wieder auf. Das überstieg seine finanziellen Kräfte und er kam 1716 auf die Gant (Konkurs). Aus der Konkursmasse erwarb Martin Pruggmayr die Brauerei und vereinigte sie mit der 1712 erheirateten Metzgerbrauerei.
Der Metzger(Mötzger-)bräu war seit Beginn der Aufzeichnungen für dieses Anwesen in der Dirnagl'schen Häuserchronik von Bruck (1543) im Besitz der Familie Metzger oder auch Mötzger geschrieben. Unter Jakob Metzger brannten im Jahr 1704 die Gebäude ab. 1712 übernahm sein Schwiegersohn Martin Pruggmayr auch diesen Besitz. Damit wurde er Besitzer von drei, ehemals selbständigen Brauereien; Hazibräu am Roßbüchl, Humpl-(Kaßerl-)bräu und Metzgerbräu am Marktplatz. Die zwei Brauereien am Marktplatz vereinigte er zu einer Braustatt und baute sie zu einer ertragreichen Brauerei aus.


120 Jahre lang waren nun die Pruggmayrs (auch Pruggmaier geschrieben) die beherrschende Brauerfamilie im Markt Bruck. Sie engagierten sich auch für das Gemeinwohl, saßen im äußeren sowie inneren Rat des Marktes Bruck und errichteten die Pruggmayr'sche Stipendienstiftung zur Unterstützung bedürftiger Studierender.
Der Urenkel des Martin Pruggmayr hatte eine Tochter Anna, die an der hinfallenden Krankheit (Epilepsie) litt. Er bat die selige Kreszentia von Kaufbeuren (1682 - 1744) um Fürbitte bei Gott zur Heilung seiner Tochter und stiftete als Votivgabe eine lebensgroße Wachsfigur mit einem Gewicht von 52 Kg. Angeblich sei die Wachsfigur ein Portrait der Anna Pruggmayr. Ihre realistisch nachgebildete Kleidung ist eine Nachbildung der bürgerlichen Tracht Süddeutschlands in dieser Zeit. Das Votivbild befindet sich heute im Museum des Franziskanerinnenklosters Kaufbeuren.


Votivbild der Anna Pruggmayr in Kaufbeuren

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Am 23. März 1833 verkaufte Adam Pruggmayr (letztes Mitglied dieser Brauerdynastie) im Alter von 31 Jahren den gesamten Besitz an seinen Schwiegervater, den Tafernwirt Johann Seel aus Mammendorf. Auf ihn folgten noch zwei Brauer, deren letzter Paul Niedermayer. 1874 erwarben ein Münchner Privatier und der Brauer Josef Gerbl von Josef Niedermayer das Brauereianwesen mit allen Liegenschaften und zertrümmerten es. Die Marktgemeinde Bruck kaufte die Gebäude am Marktplatz und nutzte sie fortan als Schrannenhaus.


 Das alte Schrannenhaus kurz vor dem Abbruch



Gänsstaller (Gerblbräu)

Vor der Amperbrücke, an der Westseite des Marktplatzes, war das Brauhaus zum Gänsstaller. Es bestand aus zwei Anwesen, der Brauerei und dem nördlich anschließenden Wein- und Gasthaus. Nach der Brandkatastrophe von 1704 erwarb ein Bernhard Huber die abgebrannte Brauerei und Johann Baptist von Ruffini aus Weyhern das Gasthaus, das dieser aber bald dem Bernhard Huber weiterverkaufte, der dann beide Anwesen vereinigte. 1764 übernahm Franz Mathias Lauter aus Uferhof bei Donauwörth das Anwesen. Die Witwe seines Sohnes Franz Mathias heiratete 1815 den Josef Heigenhauser aus Großhausen im Bezirk Aichach. Nach dessen Tod nahm sie 1825 den Josef Strobl von Thanning im Bezirk Wolfratshausen zum Ehemann, der dann das Brauanwesen und die Gastwirtschaft weiterführte. Die Ehe blieb kinderlos und so erbte den Brucker Besitz eine Verwandte, die Münchner Gastwirtstochter Eva Maria Strobl. Diese heiratete 1845 den Brauersohn Josef Gerbl aus der Wasserburger Brauerfamilie Gerbl. Sie brachte die Brucker Brauerei und das Gasthaus in die Ehe ein. Mit dem aus dem Elternhaus mitgebrachten Vermögen bauten Josef und seine Ehefrau Eva Maria Gerbl das Brucker Anwesen aus, so dass es schließlich bis zur Ledererstraße und dort weiter bis zur Schöngeisinger Straße reichte.

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Brauerei Gerbl und der dazu gehörende
Gasthof "zur Sonne"

Gerbkeller - Im Vordergrund der Gasthof,
dahinter die Gebäude über dem Bierkeller

Im Abzweig der Maisacher von der Augsburger Straße bauten sie einen Bierkeller, den Gerblkeller, der erst vor einigen Jahren der Spitzhacke zum Opfer fiel.
Nach Eröffnung der Bahnlinie baute Gerbl in der Nähe des Bahnhofes die Gastwirtschaft "zur Ludwigshöhe". Vater Gerbl übergab 1882 sein Anwesen am Marktplatz den drei Söhnen Josef, Max und Franz Martin, zog es aber zwei Jahre später, nach dem Tod des Sohnes Josef, wieder an sich. 5 Jahre später, mit 68 Jahren, setzte er sich zur Ruhe und übergab an Sohn Franz Martin. Diesen aber reizte das bequeme Leben eines Privatiers und so verkaufte er Brauerei und Gasthof am Marktplatz. Eine Münchner Brauerei erwarb das Anwesen und stellte den Braubetrieb ein. Damit endete auch auf diesem Anwesen das jahrhundertelange Bierbrauen im Mark Bruck.


Erinnerung an die alten Brauerfamilien

Die Brucker Bierbrauer verdienten gutes Geld und waren trotz mancher, oft kriegsbedingter Rückschläge sehr vermögend. Ihr Wort hatte in der Marktgemeinde Gewicht, gar mancher gestaltete als Marktvierer oder Kirchenpropst (Kirchenpfleger) die Geschicke der Marktgemeinde aktiv mit. Auch ihre Erinnerung für die Nachwelt war ihnen viel Geld wert. Sie ließen, was kaum einem anderen Markteinwohner möglich war, steinerne Erinnerungstafeln (Epitaphe) anfertigen und an der Kirchenmauer und in der Kirche anbringen. Diese künden uns heute noch von Bierbrauern, wie den Pruggmayern, den Metzgern und den Lauterern, die vor mehreren hundert Jahren mit Fleiß und Sachverstand das Braugewerbe in Bruck ausgeübt haben.


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